ÜBER MEINEN VERSUCH INS FITNESSSTUDIO ZU GEHEN

Zwei Monate ohne Sport, viele Autofahrten (weil man hier ja nicht läuft) und jede Menge Tacos später, entscheide ich mich dafür mal wieder etwas für die Figur und den gesunden Lebensstil zu tun. Gesünder essen? No es posible (unmöglich)! Einfach mal eine Runde durch die Straßen joggen? Viel zu gefährlich. Und Home-Workouts mit zwei kleinen Brüdern leider auch unvorstellbar.

In Mexiko geht man ins Fitnessstudio. Wenn überhaupt. Zu meinem Kulturaustausch gehört also auch dieses Vergnügen.

Ihr werdet lachen, aber ich habe es tatsächlich durchgezogen eine Woche lang (Mo-Fr) täglich für mindestens eine Stunde zum Sport zu gehen. Was so ein Auslandsaufenthalt alles mit einem macht…

In Deutschland noch hatte ich die größte Abneigung gegen jegliche Fitnessstudios, in denen man einfach nur stumpf irgendwelche Übungen macht um gut auszusehen und seinen Freunden den Bizeps zeigen zu können, wozu? Für mich war Sport immer mehr eine Sache, die Spaß machen sollte, bei der du dich wohlfühlst und am besten im Freien. Von Yoga über Tanzen, Klettern, Judo, Turnen und Tischtennis hatte ich eigentlich alles schon mal ausprobiert. Nur das Fitnessstudio fehlte eben.

An meinem ersten Tag begrüßt man mich super herzlich, die Trainer quetschen mich aus woher ich komme und was ich hier mache. Danach werde ich aufs Laufband verfrachtet. Stumm laufe ich meine halbe Stunde ab und beobachte die Leute dabei, wie sie ihre Einkäufe erledigen und diese zusammen mit ihren Kindern ins Auto verfrachten. Danach schließe ich mich noch einem Kurs an, der den Namen „Ritmos Latinos“ trägt und tanze eine halbe Stunde lang mit älteren Damen vor einem Spiegel. In diesem Moment vermisse ich mein Tanzstudio in Hamburg. Dort kannte ich die Leute, man schaute sich in die Augen und lachte gemeinsam darüber, wenn man die Bewegungen nicht auf die Reihe bekommen hat.

Am zweiten Tag steht Pilates auf dem Stundenplan. Definitiv schneller als in good old Hamburg, was nicht heißt, dass es auch schwieriger ist. Die Einstellung dem Sport gegenüber ist hier irgendwie ein bisschen anders. Anstatt die Klasse ein bisschen zu überziehen oder pünktlich Schluss zu machen, hört man hier lieber 10 Minuten vorher auf und lässt das Dehnen komplett ausfallen.

Im Allgemeinen fällt mir auf, dass die Mexikaner das Studio viel zu frisch wieder verlassen. Mal abgesehen davon, dass ich hier sowieso 24/7 wie eine rote Tomate rumlaufe, weil es tagsüber einfach viel zu heiß ist, sehe ich nach 40 Minuten Laufband und 30 Minuten Krafttraining eher so als, dass man mich in eine Eiskammer stecken müsste, damit ich wieder auf Normaltemperatur komme. Die Mexikaner hingegen setzen sich ihre Sonnenbrille auf, werfen sich lässig ihre Tasche über den Arm und schlendern zu ihrem Jeep, um schnell noch beim „Black Coffee“ vorbeizufahren und sich ihren wohlverdienten Frappuchino zu holen.

Zum Glück habe ich einen mega coolen Trainer, der mich jedes Mal mit Handschlag begrüßt, egal ob ich mir gerade einen auf dem Laufband abhechel oder mit Tante und Omi zusammen das Tanzbein schwinge. Er zeigt mir, wie ich die Geräte richtig benutze und geht auf meine individuellen Wünsche ein. Zwischendurch tanzt er auch mal zu der überlauten Musik oder sporrnt die herumhockenden Faulenzer an.

Eine weitere Sache die mir hier auffällt. Es ist zwar berechtigt und auch empfehlenswert sich zwischen den einzelnen Zirkeln oder Übungen eine kleine Verschnauffspause zu gönnen, nur haben die anderen „Sportler“ das mit dem Verhältnis noch nicht so ganz begriffen.

Mein Resultat nach einer Woche Fitnesstudio, lautet: „Nett“, aber „nett“ ist eben auch nur die kleine Schwester von „ziemlich beschissen“. Für mich ist Sport einfach mehr als bestimmte Muskelgruppen zu trainieren oder stumm auf einem Laufband seine Minuten abzulaufen. Für faule Mexikaner, die ansonsten ihr Fußball nur von der Couch aus gucken ist es bestimmt eine super Alternative den Bildschirm eben vor’s Laufband zu klemmen, aber ich laufe viel lieber im Freien.

Das beste an der ganzen Woche war es nämlich mit Musik oder Podcasts in den Ohren die 10 Minuten zum Fitnessstudio zu laufen. Da habe ich mich nicht nur aufgewärmt, sondern auch unglaublich frei gefühlt, eine kleine Rebellion gegen die ganze Autofahrerei hier.

 

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MEXICAN STREET ART NO. UNO

That Mexico is a country full of colors is nothing new, but I didn’t expect it to be that creative as well. In every second corner of Guadalajara you find new artsy stuff, like paintings or sculptures. It’s a thing I fell in love with from the first moment on. Here are some of my favourites so far. A lot more to come…
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ELOTE

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Familie wird hier etwas anders definiert. Als ich letztes Wochenende auf eine Familienfeier mitgenommen wurde habe ich mich fast schon erschrocken, wie viele Leute da waren. Meine Familie in Deutschland ist zwar jetzt nicht die größte, aber die ein oder anderen Cousins und Cousinen habe ich schon und meine Mutter erst… Aber das, war eine ganz andere Liga!

Mir wurde gesagt, dass wir zu einer „Familienvereinigung“ fahren. Dass diese Familie, die hier wiedervereint wurde gar keine Verwandtschaft aufweisen konnte, habe ich erst vor Ort erfahren.

Im Grunde genommen ging es darum, dass sich ein Studienjahrgang von Ärzten in einem kleinen Dorf in der Nähe von Tequila wieder treffen wollte. Ganz einfach mal zum „Elote-Essen“. „Elotes“ sind Maiskolben, die über dem Feuer erhitzt und dann mit Salz, Limette, Salsa oder Crema zusammen gegessen werden. „Elotes“ findet man hier an jeder Straßenecke- immerhin ist Mais hier das Grundnahrungsmittel. Egal ob Tortillas, Burritos oder Quesadillas, ohne Mais, unvorstellbar, aber darum geht es gerade nicht.

Von Guadalajara aus fährt man ca. eine Stunde in das Dörfchen, von dem ich schon wieder den Namen vergessen habe. Auf dem Weg dahin sind mir auf dem Highway schon die abstrusesten Sachen begegnet. Zum Beispiel eine Familie, die hinten auf der Pick-Up Ladefläche saß, ein an sich nicht untypisches Bild hier in Mexiko, aber auf der Autobahn?! Neben Mama, Papa, Oma, Opa und Kind, saß auch der Hund mit hinten drauf und Papa und Opa zischten sich ein Bierchen. Eine Familie in Wochenendsmodus.

Angekommen in dem Dorf ohne Namen werde ich natürlich erst mal mit Elotes vollgestopft, zugegebenermaßen sind die aber auch ziemlich lecker. Ein bisschen herzhafter als der Mais in Deutschland. Dazu gibt es Tacos con Papa (Tacos mit Kartoffeln, Avocado und Salsa) und Quesadillas, nicht zu vergessen der Tequila. Immerhin werden die Agaven, aus denen der hergestellt wird, ausschließlich hier angebaut. Ich befinde mich also Wort wörtlich „an der Quelle“.

Ich bemerke aber auch, wie schlecht mein Spanisch doch tatsächlich ist, denn über die Smalltalkgrenze komme ich nicht hinaus. Als Themen wie Religion, zweiter Weltkrieg und die USA auf den Tisch kommen, muss ich passen. Weder Vokabular noch Grammatik können da mithalten und irgendwie finde ich es schade, gerne hätte ich mich mit den Leuten über diese Themen ausgetauscht, aber vielleicht sieht das in einem halben Jahr ja schon ganz anders aus…

Auch die Familiendynamik ist hier anders. Jung und alt sitzen alle zusammen an einem Tisch, wobei du Jungen immer mal wieder aufspringen um zum Trampolin oder zu den Fußballplätzen zu rennen. Trotzdem bilden sich kleine Gruppen. Da jeder Arzt seine eigene Familie mitgebracht hat, sitzen sie auch alle an unterschiedlichen Tischen. Immer wieder werden Fotos gemacht, nur keins von allen zusammen.

Da das Festessen schon um eins losging, löst sich die Familie schon ab fünf pö a pö auf und es werden immer weniger, bis sich letztendlich der engere Kreis unter dem großen weißen Zelt mit dem Kronleuchter in der Mitte zusammengefunden hat. Irgendjemand hat eine Gitarre mitgebracht und spielt. Alle helfen mit die Tische zusammenzuräumen, Müllsäcke zu füllen und Reste zu verpacken. Schon gegen fünf sah man die Tanten und Onkel mit Haufenweise Elotes zu ihren Autos stapfen um das Essen für die nächste Woche zu verstauen.

Gegen neun, halb zehn fängt es an zu regnen und die Familie versammelt sich wieder unter dem Zelt, es werden Lieder gesungen und teilweise wird liebevoll für mich übersetzt. Eine unglaublich magische Atmosphäre, die dann dadurch zerstört wird, dass die Frauen ihre Sandalen auf den Boden schmeißen und die Männer mit leeren Plastikflaschen auf die Stuhllehnen trommeln, alles sehr energisch. Bis ich realisiert habe, dass dies der Text verlangt, ist das Lied vorbei und der Abend herum. Auf dem Rückweg schläft mein Gastbruder an meine Schulter gelehnt eins, immerhin haben sie eins gemeinsam, die Familienfeiern in Deutschland und Mexiko, sie sind alle unglaublich anstrengend.

WAS ICH WILL

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„Was will ich eigentlich?“ Diese Frage beschäftigt mich nicht erst seit gestern. Auch nicht seit meinem Schulabschluss im Juli und auch nicht seitdem ich beschlossen habe für ein Jahr nach Mexiko ins wunderschöne Guadalajara zu ziehen. Es ist eine Frage, die ständig aktuell ist. Selbst bei den kleinsten Entscheidungen die wir in unserem Alltag treffen, stellen wir sie uns.

Jedoch geht mit meinem Schulabschluss auch ein großer Wandel in meinem Leben einher. Ich habe keine Schule mehr, die meinen Alltag bestimmt und ihm eine Struktur gibt.

Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man vor einer großen weißen Fläche stehen, die es zu gestalten gilt.

Möglichkeiten gibt es unglaublich viele. Da wäre ganz klassisch der Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung, ein Auslandsjahr, in dem man einfach reist, Work&Travel, Opair, die Option eine Zeit lang in Deutschland zu arbeiten, bis man genug Geld zum Reisen zusammen hat. Vom FSJ über ein Praktikum bis hin zur sozialen Hilfe ist natürlich auch alles dabei.

Was mir klar war, war, dass ich ins Ausland wollte. Eine andere Kultur/ Lebensweise kennenlernen. Mal etwas ganz anderes machen nach diesen 12 Jahren Schule.

Auf der anderen Seite wollte ich aber auch Arbeitserfahrungen sammeln, ein FSJ fand ich cool. Irgendwo auch Menschen helfen um den Punkt „Welt retten“ endlich auf meiner To-Do-Liste abhaken zu können.

Im Dezember 2016 bewarb ich mich deshalb bei kulturweit. Dem Frewilligendienst des Auswärtigen Amtes mit Unterstützung der Deutschen UNESCO-Kommission. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet angenommen und dann auch noch an eine Schule in Mexiko geschickt zu werden! Tja, nicht mal ein Jahr später sitze ich nun hier, schaue aus meinem Fenster und sehe Palmen, Wälder, Kolibris und jede Menge Schmetterlinge -etwas ganz anderes.

Ich habe es also geschafft meine weiße Fläche für ein Jahr mehr oder weniger zu gestalten. Ich habe es geschafft meinen Wunsch ins Ausland zu gehen und ein FSJ zu machen, zu erfüllen. Eigentlich perfekt, oder?

Jedoch nach über einem Monat im FSJ kommen einem Zweifel auf. Ist es wirklich das was ich will? Wäre es nicht viel schöner gewesen sich einfach mal fallen zu lassen und zu reisen? Menschen kennenlernen, frei sein, nicht an einen Vertrag gebunden.

Zweifel aber auch in die Richtung, ob ich mich mit den Werten kulturweits tatsächlich so identifizieren kann, wie ich es anfangs dachte. Punkto „Welt retten“ kann ich mir hier nämlich ganz schnell wieder abschminken.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich realisiert habe, dass es sich hier nicht um ein soziales Jahr handelt, in dem ich hilfsbedürftigen Kindern Essen gebe und Hütten aufbaue, da hätte ich mir schon etwas anderes suchen müssen. Bei kulturweit geht es um den Kulturaustausch, darum, die deutsche Kultur nach außen zu tragen und viele neue Denkweisen, Traditionen und Eindrücke mit nach Deutschland zu bringen. Es geht um den Perspektivwechsel.

Und genau diesen Perspektivwechsel habe ich mir für meine weiße Fläche gewünscht. Etwas komplett Neues kennenlernen, denn gerade dadurch, dass man unbekannte Sachen ausprobiert und neugierig ist, bekommt man doch heraus, was man will und was nicht.

SEPTIEMBRE 2017

Ich gebe zu, dass die ersten Wochen meines Freiwlligen Sozialen Jahres nicht ganz glimpflicht verlaufen sind, vielleicht lag es an mir und meinen Einstellungen, vielleicht lag es daran, dass mich das Pech einfach mal eine Weile lang verfolgen wollte, vielleicht war es auch einfach das Zusammenspiel dieser beider Dinge.

Hier kommt mein monatlicher Rückblick, mit Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen:

GEHÖRT

  1. An einem meiner ersten Abende in Mexiko konnte ich nicht einschlafen, egal wie laut ich die Musik in meinen Kopfhörern hatte. Der Regen war einfach zu laut. Die “Regenzeit” habe ich mir sagen lassen ist zwar für gewöhlich etwas früher, der September durchaus aber auch ein verregneter Monat. Na toll…da verfolgt mich das Hamburger Schietwedder bis nach Mexiko.
  2. “Viva México!”, das ist der “Grito de Dolores” (Schrei von Dolores). Am 16. September ist hier “Día de la independencia”, einer der wichtigsten und patriotischsten Feiertage. Am 16. September 1810 rief der rebellische Pfarrer Miguel Hidalgo in einer kleinen Ortschaft Dolores zum Kampf gegen die Spanier auf. Seitdem wird der 16. September als Nationalfeiertag mit Feuerwerk und Volksfest gefeiert.
  3. Hinter meinem Haus befindet sich eine Art Wald, der eher einem Park gleicht. Neben Joggern und Radfahrern reiten hier auch Pferde entlang. So werde ich regelmäßig von dem Geräusch klappender Hufen geweckt, nicht schlecht, oder?
  4. “U Ass Bank” von Lyrics Born. Meine Kreditkarte funktioniert nicht, die Bank meldet sich nicht und ein Leben ohne Geld macht definitiv keinen Spaß, dieses Lied beschreibt meinen Gefühlszustand ziemlich gut.
  5. Das Geräusch des Erdbebebenalarm. Es war ein Test an meinem zweiten Arbeitstag, ironischerweise genau an dem Tag, als nahe Puebla tatsächlich die Erbe bebte. Mir geht es gut und ich bin zum Glück nicht betroffen, jedoch haben die Erdbeben der vergangene Wochen einige Opfer gebracht und für viel Unruhe gesorgt. Momentan sammeln wir fleißig Spenden für die betroffenen Regionen und sind mit unseren Gedanken bei denen, die ihre Lieben verloren haben!

 

GESEHEN

Gesehen habe ich unglaublich viel, dazu gehören zwei wunderschöne Seen. Mit dem einen verbinde ich nicht unbedingt nur positive Dinge, dem zweiten werde ich mit Sicherheit noch einen zweiten Besuch abstatten.

Unser Vorbereitungsseminar Anfang September fand am Werbellinsee nahe Berlin statt. Gleich am ersten Abend meinte ich mich im Handyweitwurf auszuprobieren und versenkte mein Handy im See.

Beim zweiten See handelt es sich um den Lago Chapala, der zwar mit reichlich Müll und Algen ausgestattet ist, aber trotzdem eine sehr angenehmen Atmosphäre ausstrahlt. Mit vielen kleinen Essständen, einem kleinen Markt und Straßenkünstlern.

Hinzu kommen die vielen bunten Häuser in Tlaquepace, ja, ein sehr komplizierter Name für einen sehr schönen Ort, den ich mir auf jeden Fall noch mal genauer anschauen muss. Wie ich erfahren habe kommt mein Gastvater aus diesem kunterbunten Ort nahe Guadalajara, vielleicht kann er mir ja noch mal den ein oder anderen Tipp geben, was man in Tlaquepace so machen kann.

Wenn ich in anderen Ländern bin, habe ich immer den Tick auf die unterschiedlichen Straßenschilder zu achten. In Spanien waren es die Warnungen vor Pferden in Kreisverkehren oder in Polen, die Kinder mit Süßigkeiten in der Hand. Während in Deutschland jedoch an Straßen vor Wildwechsel oder Steinschlag gewarnt wird, stehen in Mexiko gelbe Straßenschilder am Rand, auf denen vor Fahrradfahren gewarnt wird…sehr skurril.

Letzten Freitag saß ich mit meiner Gastfamilie in einem kleinen Restaurant außerhalb unserer Gated Community, als plötzlich fünf Reiter auf ihren Pferden an uns vorbei ritten. Ausgestattet mit Sombrero, Bluse und Cowboystiefeln, mitten in der Stadt.

 

GELESEN

Gelesen habe ich diesen Monat erstaunlich wenig. Anfangs habe ich es noch mit einem Länderportrait über Mexiko versucht, aber das ist dann doch in den ganzen Vorbereitungen untergegangen. Wahrscheinlich wollte ich einfach nur noch los und erfahren, wie es tatsächlich in Mexiko ist und nicht mehr nur theoretisch darüber herumspinnen.

Außerdem habe ich meinen Arbeitsvertrag gelesen, nicht gerade sehr interessant…40stundenwoche und 26 Urlaubstage, mal sehen, was ich an denen so machen werde.

 

GEFÜHLT

Wow! Von Anfang an wusste ich gar nicht wohin mit den ganzen Gefühlen! Neugierde und Aufregung hat sich am Anfang des Monats breit gemacht, auf Mexiko, die neuen Aufgaben, die interessanten Menschen. Ziemlich schnell folgte dann Frust, weil einfach nichts glatt laufen wollte. Das Gefühl am Flughafen zu stehen, eigentlich will man einfach nur los, weg von allem, was schief gelaufen ist und trotzdem fällt der Abschied schwer. Verheult sitze ich im Flugzeug zwischen all den Businessleuten ziemlich allein. Als ich erfahre, dass mein Flieger nach Mexiko 23h „Verspätung“ hat will ich eigentlich nur noch ins nächste Flugzeug nach Hamburg steigen und zurück zu meiner Familie.

Dieses Gefühlschaos nimmt kein Ende als ich in Mexiko ankomme. Mit meinem bröckeligen Spanisch versuche ich dem Flughafenpersonal in Cancún meine Lage zu erklären. Buche mich dann in letzter Sekunde auf einen Flug nach Guadalajara und hoffe einfach nur, dass mein Koffer mitkommt.

Hoffnung ist in diesem Moment das, an was ich mich klammere. Hoffnung auf gutes Wetter, viel Sonne und eine ordentliche Portion Vitamin D. Hoffnung auf freundliche, offene Menschen, gutes Essen und ein Bett.

Mein erster Eindruck ist positiv. Ich werde überschwänglich von zwei kleinen Jungs und einer überglücklichen Mutter empfangen. Mexiko ist warm, selbst am späten Abend unter der Woche noch belebt und eine Mischung aus hypermodern und heruntergekommen.

Die Salsa auf meine ersten Quesadillas ist scharf und unterstützt die Tränenproduktion.

Dann erwartet mich ein Kulturschock. Gleich an meinen ersten beiden Tagen wird „Día de la independencia“ gefeiert und aus jeder Ecke schallt es „Viva México“. Langsam einleben ist hier also nicht.

Auch spürt man die 9.604km Entfernung zur Familie, den Freunden, der Stadt. Man vermisst auf einmal die einfachsten Dinge, die Gewissheit, dass man sich einfach mit dem Wasser aus dem Hahn die Zähne putzen kann, den Joghurt ohne Zucker, das Brot, die Möglichkeit einfach auf die Straße zu gehen und sich die Gegend anzugucken. Alles Dinge, an die ich mich noch gewöhnen muss.

Am Ende des Monats erscheint die Vorfreude wie das Licht am Ende des Tunnels. Nach einem Monat mit mehr „Abs“ als „Aufs“ kann ich es gar nicht abwarten das Land näher kennenzulernen, mit neu gewonnenen Freunden zu reisen und neue Orte zu entdecken.

Mexiko hat mir bis jetzt ziemlich viele Nerven gekostet, von gecancelten Flügen, über keine Möglichkeiten sich ohne Auto aus den Gated Communities hinaus zu bewegen bis hin zu nicht funktionierenden Kreditkarten. Ich bin mir sicher, dass Mexiko noch mehr zu bieten hat!

 

GELERNT

  1. Dass man mit seinem Leben nicht einfach so an einen anderen Ort fahren und erwarten kann, dass man es so weiterlebt, wie bisher. Dazu gehören viele verschiedene Dinge, man muss sich auf eine andere Stadt, eine andere Lebensweise einlassen, sie kennenlernen, sich anpassen, an die Umgebung gewöhnen und seinen ganz eigenen Platz finden.
  2. Dass genau dies viel Zeit beansprucht. Und nicht nur Zeit, sondern auch Mühe, Arbeit und Geduld.
  3. Aber auch, dass man seine persönlichen Werte dabei nicht vergessen darf. Es geht viel mehr darum sie zu hinterfragen, anzupassen und zu vermitteln wenn es passt, denn eine Reise lebt vom aktiven AUSTAUSCH.
  4. Dass die Mangos in Mexiko definitiv besser schmecken als in Deutschland!
  5. Dass es hier nicht „ la habitación“ (=Zimmer), sondern „ el cuarto“ heißt, dass es in Mexiko über 60 verschiedene Landessprachen gibt und ich froh bin, wenn ich Spanisch davon verstehe. Außerdem gibt es hier kein „ihr“, das haben die Mexikaner einfach mal aus ihrem Wortschatz gestrichen. Das einzige, was zählt ist das „wir“.

DIE ERSTEN ZEHN TAGE: WAFFELN OHNE HERZCHEN

Angefangen hat alles mit einem Kulturschock. Mit 24h Verspätung komme ich ENDLICH in Guadalajara an, meiner neuen Heimat. Ein Jahr werde ich als Freiwillige in Zapopan verbringen, die Stadt, das Land und die Leute kennenlernen. Herzlich werde ich von meiner Gastfamilie am Flughafen empfangen und keine Stund später schon mit Quesadillas und Avocado vollgestopft, die hier übrigens Auguacate, “nasse Birne” heißt.

Am darauffolgenden Samstag ist “Día de la Independencia”, daher wird schon am Freitag an meinem neuen Arbeitsplatz ordentlich gefeiert. Die mexikanischen Kollegen bringen den Deutschen typisch mexikanisches Essen mit und alle sind in traditionellen Gewändern gekleidet. Auch ich bekomme direkt eine Bluse in die Hand gedrückt. Trotzdem ist alles anders und ungewohnt. Die Autos sind riesig, die Sonne strahlt, ich verstehe kein Wort und die Menschen leben in Gated Communities. Hast du an deinem Auto nicht die passende Plakette kleben, wirst du am Eingang angehalten, nach Namen und Zielort gefragt. Ohne Auto kommst du hier nicht weit.

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Am Samstag starte ich trotzdem den Versuch und fahre ins “centro” nach Guadalajara. Eine Stadt, in die ich mich direkt verliebe. Überall sind Menschen, alles ist bunt und zwischendurch sind immer mal wieder die wunderschönen alten Kirchen aus der Kolonialzeit zu entdecken. Die mexikanische Flagge ist heute sehr stark vertreten und überall ist Musik, Theater und Schauspiel, nur mein Spanisch will nicht ganz mitspielen und so versuche ich meinem Uber-Fahrer (Uber=Taxi) eher schlecht als recht zu erklären, wo genau ich eigentlich hin möchte. Mit etwas Geduld schaffe ich es und treffe mich mit einer anderen Freiwilligen am “teatro”. Gemeinsam erkunden wir die Stadt, schlendern durch die Straßen und verhandeln mit den Verkäufern auf dem Markt.

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Am nächsten Tag geht es nach Chapala, ein Ort am gleichnamigen See. Mein Gastbruder muss für ein Projekt der Schule recherchieren. Gefrühstückt wird an einer Raststätte. “Gorditas” sind plattgedrückte Tacos, gefüllt mit was auch immer du willst und mit Käse überbacken. Dazu Café con Olla (typisch mexikanisch, sehr süß und mit viel Zimt- ABER lecker!) zum Nachtisch einen Kuchen. “Gordita” kommt von “gordo/-a”, was so viel wie “fett” oder “dick sein” bedeutet. So ziemlich alle, die mir bis jetzt begegnet sind, haben mir prophezeit, dass ich Mexiko mit ein paar Kilo mehr auf den Rippen verlassen werde. Mal gucken wie sich das entwickelt.

Lago Chapala entpuppt sich als ein riesiger See, mit viel Algen, Dreck und Touristen. Eine Weile bummeln wir am Ufer entlang, bis wir beschließen zurück in die Stadt zu fahren. Dort wird wieder gegessen. “Enchiladas con frijoles”, langsam bekomme ich das Gefühl, dass sich die Prophezeiung bewahrheiten wird. Am Abend geht es dann spontan ins “Lucha Liebe”. Hier kämpfen Frauen und Männer (getrennt) gegeneinander. Gekleidet in Kostümen und mit Masken ausgestattet wirkt das ganze eher wie ein Zirkus mit viel Drama. Wie durch Zufall gewinnen die verschiedenen Mannschaften immer abwechselnd, bis die Guten (Tecnicas) mit ihrem “Rayo de Jalisco” (“Blitz von Jalisco”- Jaliso= Bundesstaat) den Sieg einholen.

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Auf ein wunderschönes Wochenende folgt eine sehr emotionale Woche. Das Zuhause ist noch sehr nah, die Arbeit komisch. Es wird wohl einfach noch ein bisschen dauern, bis ich hier meinen Platz gefunden habe, aber ich denke, dass ist mehr oder weniger normal. Immerhin habe ich ja jetzt ein Jahr Zeit die verschiedenen Lebensformen Mexikos kennenzulernen.

Tag neun und zehn verbringe ich damit mich ein bisschen unter die Leute zu mischen. Am Samstag stehen “Babyshower de gringolandia” aka USA und Junggesellenabschied an. Ein paar Sachen werden mir hier klar:

  1. Die mexikanischen Frauen lieben es sich 3kg Make Up ins Gesicht zu klatschen.
  2. Zucker ist nach Mais das wichtigste Nahrungsmittel. Früchte an sich sind ja noch nicht süß genug, so müssen auch Wassermelone, Ananas und Mango mit einer Extraportion Zucker ausgestattet werden, nicht zu vergessen der Orangesaft- ohne Zucker?! “Viel zu bitter!”
  3. Außerdem lieben die Mexikaner Spiele. Auf beiden Veranstaltungen stehen mindestens drei auf dem Programm. Und was für welche! Wenn es darum geht ihre Lieben zu unterhalten lassen sich die Mexikaner richtig was einfallen. Für das Baby werden Lieder gedichtet und Strampler bemalt, auf dem Junggesellenabschied wird sich darum gestritten, wer die Braut am besten kennt und ein Kleid aus Papier entworfen.
  4. Meine mexikanische Mama ist schlimmer als Mutti in Deutschland. Selbst ein Uber ist ihr nicht sicher genug. Während meine Mutter zuhause “nur” den Flighttracker anschmeißt um sicher zu gehen, dass mein Flugzeug auch nicht abstürzt, möchte meine mexikanische Mama Name und Kennzeichen vom Uber haben und verfolgt mich per App bis in die Stadt- Danke Ale;) ❤

Meine ersten zehn Tage sind um und waren reich gefüllt mit Emotionen und neuen Eindrücken. Die nächsten Ausflüge und Reisen sind schon geplant, denn Mexiko hat mit Sicherheit noch mehr zu bieten außer Gated Communities und viel Essen.

Was ich bis jetzt vermisse? Die Herzchen an den Waffeln, denn die haben hier die Form einer Schale, die mit jeder Menge zuckerhaltiger Sachen gefüllt werden kann. Da bevorzuge ich doch tatsächlich noch Mamas klassische Waffeln aus Hamburg, die man schon erschnuppern konnte, wenn man auf den Garagenhof gefahren ist.

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Muchos saludos de Guadalajara,

Liva

TRAVEL GUIDE THROUGH YOUR OWN COUNTRY

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Where do you come from?

It’s the typical question everybody asks, if you’re meeting a new person for the first time. But it’s also a very philosophical question, a question, which goes more into detail.

In times of globalisation and “weekend- trips” to Ibiza, people forget to get to know their own country.

So here is a little travel guide trough your home country:

  1. Your favorite place to go
  2. A secret spot, only a few people know (hidden treasure)
  3. Five things you love about your country
  4. Five things you don’t like about your country
  5. The most awkward word in your language
  6. The most beautiful word in your language
  7. A special dialect you always wanted to learn (do it!)
  8. Your favorite dish
  9. Your least favorite dish (of course they have to be regional)
  10. What makes your country special?
  11. Typical prejudices people from other people have about your country
  12. The best place to go on a holiday
  13. The best childhood memory in your hometown
  14. An idol from your country
  15. The most famous peson from your country
  16. Already visited the highest mountain?
  17. Is there a water body in your country? And if yes, have you been there?
  18. The most important historical event (of course there are different opinions about that)
  19. Is there a special story about your national anthem?
  20. Your favorite fairy tale
  21. The best movie produced in your language/ country
  22. One thing, which you will always connect with your home country

This is kind of a checklist, and serves as a little inspiration to get to know your own country a little bit better. Of course you can leave out some points or add something you would like to do, I wish you a lot of fun with it!

TAKE TIME

“We live in a fast world, which is quick with forgetting things”

This is a quote from a book I read, when I was a child (A. Steinhöffel, Rico, Oskar und die Tieferschatten). It is true. People are always busy, too stressed to enjoy something or do something for 100%, always something on their schedule and never time for anything.

With that we do not only forget about the important things in life, like friends, family, do things that we love and enjoy, we also get impatient. We are used to get everything that we want in a few moments. Doesn’t matter if it’s a movie we want to watch, food we want to eat or things we want to buy. With new possibilities like Netflix, Deliveroo (a food deliverer) and Amazon we don’t have to leave the house anymore.

This is going to get a bigger problem, because impacience makes us nervous and imprecise. If something doesn’t work so easily in our eyes we quit it and go on to the next, without us even trying to understand it. We have to give a chance to new things, be more tolerant and open- in other words we have to take time for things we want to do.

I had a very nice talk about all this yesterday on the train, met a girl, who told me about this Youtuber called Simon Sinek. He talks about this theme as well. In the video down below you can see what he thinks about that (and he nearly stands for the same things) and how it is conneced to social media and the new tecnology. It is only an exerpt, but still very interesting!

Go watch it, think about it and take time.

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img_4340Let’s start with Dresden in March…

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…and Italy in May.

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In June I travelled to Gdansk with some friends. Together with polish students we worked on a project about the “Solidarnosc” movement in Poland during the 1980s.

A quick, and absolute wonderful trip to Antwerp and Amsterdam in July. I really recommend these two citys. Amsterdam is a little bit more international and “faster” than Antwerp, but Antwerp has the more delicious waffles;)

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Roma- the eternal city. The perfect trip in the beginning of August! In the first picture you can see the Memorial for Vittorio Emanuele, who played a very important role in the italian history, because he became the first king of a united Italy in 1861 since the 6th century. The second photo shows a little park near the center, where we met a wonderful old roman, who showed us the city through his eyes.

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Of course we spent some time at the beach in Santa Marinella (1h away from Rome), but the italian beach life is definitley NOT my thing! Way too many people.

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Yep, that’s me on the north sea (that’s where my family comes from).

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Time for denmark with my amazing friends!

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Let’s go further, September. Since I’m specialized in history at school we went to Warsaw. This city surprised me with it’s weather;), cultural backround, how they work on it and on the movement which is going on there right now. I definitley recommend going there if you’re up to explore something different, I really liked it.

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Tanzania…still dreaming about it. Another thing I realized this year: It’s not hard to go away and travel the world, it’s the harder part to come back, come home and change something.

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Biggest culture-shock I’ve ever had in October: First picture: Amsterdam for the second time this year, still as beautiful as I had it in my mind! Second picture: Somewhere in Kent…

 

DIARY ENTRY 5.10 + 6.10.2k16

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Was das Autofahren angeht, kann mich jetzt nichts mehr schocken! Denn was ich die letzten zwei Tage durchgemacht habe ist einfach unglaublich. Ich hatte mich schon auf die Safari gefreut, aber mit dem was wir erlebt und gesehen haben, habe ich mit Sicherheit nicht gerechnet. So viele Erfahrungen, ich bin immer noch völlig geflasht!

Dienstagmorgen: 3:00 am – Aufstehen angesagt. Total übermüdet steigen wir in das Taxi (DallaDalla) nach Moshi. Gefühlte 30 Min. später steigen wir in unseren Safari-Bus um. Und…ein eigener Sitzplatz – JACKPOTT!!! Und was für einer! Endlich kann ich meine Beine mal wieder ausstrecken.

Nach zwei Stunden Schlaf sind wir dann in Arusha. Einer Stadt mit 1,2 Mio. Einwohnern. Das Stadtbild ungewohnt anders. Die Häuser größtenteils flach oder nur halb fertig. Und für 7:00 am treiben sich eine Menge Leute auf der Straße herum. Ein Bild, dass ich so schnell nicht wieder vergessen werde, ist der Mann mit einer alten Holzschubkarre, vor einem modernen Gebäude in dem protzige Jeeps verkauft werden, der verzweifelt versucht die Straße zu überqueren. Unheimlich. Widersprüchlich.

Im Nationalpark Tarangere angekommen, beeindruckt die Landschaft. Die unendlichen Weiten, ein echtes Roadtrip-Gefühl kommt auf. Immer häufiger tauchen die Lehmhütten der Masai auf, man sieht Frauen und Kinder mit Eseln zu dem 7km entfernten Wasserloch wandern.

Im Nationalpark begegnen uns dann nach langer Zeit mal wieder Weiße (Mzungus). Touristen – eine seltene Spezies. Aber auch die ersten Giraffen und Impalas lassen sich blicken. Dann geht es richtig los! Tuende! Das Safaridach des Autos wird ausgeklappt, die Ferngläser herausgeholt und nach ca. 20 Min. begegnen wir dem ersten Leoparden! Ein Leopard!! Ich meine “HALLO”?! Wenn das mal kein gelungener Start ist… Aber so zieht es sich den ganzen Tag fort. Ein Tier folgt dem anderen und der Akku der Kamera ist fast leer-na super! Aber es ist ja nicht so, dass ich alleine reisen würde und niemand um mich herum Fotos macht ;).

Gegen 5:00 pm kommen wir in unserer Lodge an, völlig fertig. Trotzdem beschließen wir uns dazu noch eine Wanderung anzutreten. Ein Fehler. “Immerhin haben wir uns noch einmal bewegt!“, sage ich als wir nach 1,5h wieder zurück sind und ernte böse Blicke.

Unsere “Wanderung” bestand darin unserem Guide, der allerdings diesen typisch afrikanisch unterhaltsamen Gang hatte, die Hauptstraße bis zu einem “Aussichtspunkt” hinauf zu folgen, der aus einem kleinen Platz hinter der Leitplanke bestand. Der totale Reinfall. Naja, immerhin lohnt sich die Dusche jetzt so richtig und man verschwendet hier kein wertvolles Wasser. Darauf folgt das lang ersehnte Essen und dann das Bett.

Ca. 6h Schlaf später geht der Spaß dann auch schon weiter. Aufstehen, Sachen packen, frühstücken und um kurz vor 6:00 am sitzen wir alle wieder im Auto. Unterwegs in Richtung Ngorongoro. „Sonnenaufganggucken“ fällt heute wieder aus. Die vielen Wolken verderben uns den Spaß. Das Wetter ist hier wirklich deprimierend. Denkt man an Afrikas Klima, denkt man an strahlend blauen Himmel und brütende Hitze. Pustekuchen! Regen, angenehme 17 Grad Celsius und Wolken all day long. Da hätte ich auch in Deutschland bleiben können. Meinen Koffer habe ich total falsch gepackt. Anstatt dass mir die Schweißperlen die Stirn herunterlaufen friere ich jeden Tag aufs Neue und bin froh, immerhin ein paar Pullis dabei zu haben.

Kurz nachdem wir das Tor zum Ngorongoro Krater durchfahren wird es dann richtig gruselig. Wir befinden uns mitten in den Wolken und weiter als 3m kann man mit Sicherheit nicht gucken. Unseren Fahrer interessiert das aber herzlich wenig. Amadeus prescht mit 50km/h durch den Wald und über die holprigen Straßen. Doch dann geht der Weg auf einmal bergab und man kann tatsächlich etwas sehen! Und was! Der Krater steckt sich im diesigen Morgenlicht vor uns geradezu majestätisch aus! Die Größe ist wirklich imponierend, von weitem kann man schon die ersten Büffelherden sehen. Es gibt nur einen Nachteil: der Weg nach unten. Aber auch den habe ich überlebt. Auf die Büffel folgen Gnus, Gazellen, Antilopen, Zebras, Hyänen, sogar Nilpferde und Nashörner bekommen wir zu sehen.

Die “Big Five of Africa” haben wir auf jeden Fall alle gesehen – CHECK! Das wären dann nämlich Elefant, Löwe, Leopard, Büffel und Nashörner. Amadeus erklärt uns, dass dies die “Big Five” sind, weil sie dem Menschen am gefährlichsten werden können. Wieder was dazugelernt! Mit Amadeus haben wir echt Glück gehabt. Ein ca. 30-40jähriger Afrikaner, mit vorn braun eingefärbten Zähnen, der früher auf den Kilimanjaro gestiegen ist und nun seit 10 Jahren Safari-Touren durchführt. Und das merkt man! Im Drängeln ist er hervorragend, schnell sieht er Tiere, kann uns die wichtigsten Fakten zu ihnen herunterrattern und hat das Auto stets unter Kontrolle.

Nach einem gemeinsamen Mittagspause, in der wir unsere Lunchbox zusammen mit den Zebras einnehmen durften geht es zurück. Gefühlt müssen wir durch halb Afrika. Ich hasse Rückfahrten. Aber mir fällt auf, wie viel näher wir uns alle gekommen sind – oder bilde ich mir das nur ein? Nach zwei Tagen in einem Auto habe ich weniger Hemmungen, weil ich mittlerweile schon die ein oder andere Schulter als Kopfkissen missbraucht habe. Auch die gemeinsamen Erlebnisse tragen ihren Teil dazu bei. Hunger bekomme ich tatsächlich auch mal wieder, was nach dem Fressmarathon der letzten Tage ein angenehm ungewohntes Gefühl ist. Mein inneres Bild von Afrika hat sich verändert. Die Häuser und Städte weisen einige Parallelen zu Indien auf. Am Straßenrand wird gelötet, Schüler kommen von der Schule und die von Coca-Cola und Vodacom gesponserten Läden machen ihre Geschäfte.

Afrika bin ich in den letzten zwei Tagen viel näher gekommen. Ich bin gespannt, was noch so auf mich zukommt…