Von der Angst davor zurückzukommen

bdr

Bevor ich damit anfange all die bunten Bilder meiner abschließenden Reise hier zu posten, möchte ich euch von einer Angst berichten, die mich in den letzten Wochen aufgesucht hat. Es ist, wie der Titel schon sagt, die Angst davor zurückzukommen.

Mittlerweile kann ich nicht mehr sagen, dass sich mein Jahr in Mexiko dem Ende zuneigt, weil es nun zu Ende geht. In ein paar Tagen sitze ich im Flieger auf dem Weg nach Deutschland. Hinter mir liegen 12 abenteuerliche Monate, vollgestopft mit Erfahrungen, Erlebnissen, Eindrücken, Höhen und Tiefen. Gerade die letzten paar Monate waren noch mal sehr extrem. Alle paar Tage habe ich das Bett gewechselt, Nachfahrten durch den Dschungel, Erklimmen von Pyramiden, Tage am Strand und jede Menge neue Menschen.

Dennoch war ich die meiste Zeit alleine. In Mexiko habe ich einen großen Bekanntenkreis gehabt und mit ein paar Freunden auf Zeit zusammengelebt. Alles mit Ablaufdatum. Ich hatte keine 100%ige Kontaktperson, keinen Partner der wirklich konstant war. Wenn ich nun zurückkomme, werde ich wieder in mein altes Umfeld kommen, in meine Familie, die mir 18 Jahre lang eine Konstante in meinem Leben war, mein Freundeskreis, der sich zwar in den Jahren immer wieder verändert hat, aber doch sehr stabil ist. Ich freue mich unglaublich alle wieder zu sehen, aber ich habe Angst enttäuscht zu werden. Denn hinzu kommt, dass das Vertraute nicht stehen geblieben sein wird.

Das Vertraute wird sich verändert haben und nicht mehr so sein wie vorher. Auch ich habe mich sicherlich verändert. Zwar habe ich keine 10kg abgenommen, meine Hautfarbe hat sich nicht verändert, meine Nase hat sich nicht in die eines Models verwandelt und auch das Arschgeweih-Tattoo ist ausgeblieben, aber ich bin um einige Erfahrungen und Freunde reicher geworden. Meine persönlichen Veränderungen an die von zuhause anzupassen, wird sicherlich nicht leicht werden.

Ich habe nun ein Jahr in Mexiko gelebt, einem Land am anderen Ende der Welt, einem Land in dem sie, genauso wie in Deutschland, sehr gerne Bier trinken, der Rest aber total anders ist. Die Mentalität der Leute, ihre Verhaltensweisen, Routinen, Gewohnheiten. Einige davon habe ich übernommen. Ich habe Angst davor, mit der deutschen Mentalität nicht mehr klarzukommen und mich nicht mehr so richtig zurechtzufinden, weil ich jetzt eine andere Sprache spreche.

Ich habe Angst davor, wenn ich zurückkomme in ein Loch zu fallen. Weil ich mich nicht mehr in Deutschland zurechtfinde, aber auch, weil ich Mexiko zu stark vermissen werde. Den Lärm auf den Straßen, das Spanisch, das Essen, die Tiere, die Geckos an der Wand, die Musik, all meine Gewohnheiten hier. Ich habe in meinen 12 Monaten Mexiko viele schlechte und gute Erfahrungen gemacht, habe eine Vertrautheit für das Land entwickelt und darauf eine Liebe aufgebaut. Genauso wie ich Sehnsucht nach Deutschland hatte (und auch immer noch habe) werde ich Sehnsucht nach Mexiko haben. Ich werde vergleichen und vermissen, viel zu vielen Leuten mit meinem Gelabere über Mexiko auf die Nerven gehen und es damit niemandem einfacher machen, mein Mexiko nicht zu vermissen.

Es tut weh zu gehen. Und nur damit, dass ich in den Flieger nach Deutschland steige, wird meine Reise, mein Mexiko bestimmt noch Lange nicht zu Ende sein. Ich freue mich auf Deutschland, auf meine Familie und Freunde, aber es schmerzt auch ein Leben zurückzulassen, weil man weiß, dass man so schnell nicht wieder zurückkommen wird.

Es fühlt sich ein bisschen so an, als ob in mir gerade Seilziehen gespielt wird. Auf der einen Seite Deutschland, auf der anderen Mexiko.

 

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