Tequila

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Wie ich schon berichtet habe sitze ich hier in Guadalajara tatsächlich an der Quelle des Tequilas. Das Land um die Stadt herum ist berühmt für die vielen Agavenfelder, die die Landschaft und das Bild Jaliscos stark prägen. So konnte ich es mir nicht nehmen letzten Samstag dem Dörfchen „Tequila“ aus dem das allseitsberühmte Getränk ursprünglich stammt einen Besuch abzustatten.

Um 9.30Uhr nach mexikanischer Uhr (sprich 10:15Uhr) steige ich mit meinen Freunden in den Bus nach Tequila. Mit dabei erstaunlich wenig Touristen aus dem Ausland, sondern viele Mexikaner. Neben zwei Kolumbianern sind wir die einzigen Ausländer. Die Lautstärke: regular, die Leute unterhalten sich in einem angenehmen Ton und nach ca. einer Stunde kommen wir an unserem ersten Stopp an. Die Tequileria der „Tres Mujeres“. Es ist unglaublich heiß als wir durch die heiligen Hallen geführt werden. Das liegt daran, dass „das Herz der Agave“ erst einmal im Ofen gebacken wird. Der Tequila, der früher „Vino Mezcal“ hieß wird aus der Kakteen ähnlichen blauen Weber Agave hergestellt. Diese braucht ungefähr 8-10 Jahre, bis sie die richtige Größe (50cm) und Reife erreicht hat. Nachdem die Agave ca. 3 Tage gebacken wurde wird aus ihr der Saft gepresst. Die qualitativ hochwertigen Schnäpse enthalten 100% Agavenzucker, alle weiteren werden mit bis zu 49% anderem Zucker gemischt. In der anschließenden Fermentationsphase wird der Zucker in Alkohol umgewandelt, darauf folgt die Destillation.

Der fertige Tequila wird nach der Lagerzeit eingeteilt. Der direkt nach der Destillation abgefüllte Tequila trägt den Namen „Tequila Blanco“. Der „Tequila Reposado“ wurde mindestens 2 Monate in Eichholzfächern gelagert. Ganz zum Schluss folgt der „Tequila Añejo“, eine sehr dunkle Sorte, die ca. ein Jahr in den Eichholzfächern gelagert wird.

Wir verlassen die heißen Räume wieder und besuchen die „cava“, den Keller, in dem die unzähligen Fässer gelagert werden. Hier ist es fast schon ein bisschen unheimlich, stockduster und überall liegt dieser süßliche Geruch des Tequilas in der Luft. Unsere Leitern erklärt uns, dass das wirklich besondere an der Lagerung hier vor Ort die klassische Musik ist, die jede Stunde durch die Lautsprecher hallt…

Weiter geht die Fahrt. Nicht weit entfernt von der Tequileria halten wir inmitten eines Agavenfeldes an einem kleinen Häuschen, dass sich als ein erstaunlich moderner Touristenshop herausstellt. Wir lernen den „Jimador“ (Erntearbeiter) kennen und dürfen sogar selbst einmal Hand anlegen und für ein Foto eine Agave ernten. Nicht nur hier dürfen wir nun aber Hand anlegen, sondern auch beim Tequila selbst. Ein Tisch wird aufgestellt, die Flaschen darauf verteilt und dann geht es los. Von jedem mal ein Schlückchen, direkt so, dass man den Tequila gleich im Shop nebenan kaufen kann, denn „günstiger wird es nun nicht mehr“ (Ja, nee ist klar…).

Nach ca. 5 Minuten bekommen wir Besuch, von meinen Freunden den Mariachis. Die Mariachis sind eine Band/ Musikrichtung, die berühmt für Mexiko ist. Mit Trompeten Gitarren, Violinen und Gesang heizen sie dem Tequila noch mal zusätzlich ein, dass nach wenigen Minuten fast alle das Tanzbein schwingen. Die Stimmung ist ausgelassen und die Flaschen sind leer.

Ich weiß nicht mehr wie viel Zeit vergangen ist, bis alle wieder in ihren Bussen verstaut sind, aber die Lautstärke ist unglaublich. Ich komme mir vor wie auf einem Schulausflug mit lauter kleinen Kindern. Es wird gegrölt, gelacht und gesungen. Kaum einer sitzt auf seinem eigentlichen Platz.

Wohin wir fahren? Keine Ahnung.

Ankommen tun wir bei einem Restaurant. Ich muss grinsen, denn die Organisation ist gar nicht so dumm. Gehe ich normalerweise feiern, mache ich es nämlich genau anders herum. Erst essen und dann trinken, damit die Grundlage stimmt. Hier eben andersherum, erst trinken, damit die Touris schneller abgefüllt sind und dann essen, da der Hunger gegen 14:00Uhr und nach dem ganzen Alkohol definitiv größer ist und sich 99% der Gruppe dazu bereit erklären die 180Pesos für das All-Inclusive Buffet auszugeben.

Unser letzter Stopp ist dann endlich Tequila. Die Stadt hat Etwas malerisches. Der Platz vor der Kirche ist schön geschmückt, die Häuser bunt und die Leute freundlich. Auch der Tourismus ist hier erstaunlich erträglich. Nicht so wie der Kotzanfall einer unserer Mitfahrenden…

Auf der Rückfahrt hört man keinen Ton. Es ist totenstill im Bus. Der Großteil schläft, der Rest hört Musik oder liest. Pö a Pö werden die Leute an verschiedenen Stellen herausgelassen und wankeln nach hause.

Wir steigen ganz zum Schluss aus und haben so noch die Gelegenheit uns mit unserer Leiterin zu unterhalten. Sie erzählt uns, dass die erste Brennerei tatsächlich im Jahr 1600 in Tequila eröffnet wurde. Was genau „Tequila“ aber eigentlich bedeutet weiß niemand so ganz genau. Oft wird es aus dem Nahuatl (Sprache der Ureinwohner) mit „Ort an dem man arbeitet“ übersetzt. Gearbeitet wurde tatsächlich viel in dieser Gegend, denn die Agave hatte zu früheren Zeiten mehr als nur eine Funktion. So wurde sie auch zur Herstellung von Seilen, Nadeln und Heilmitteln verwendet. Die Arbeitsbedingungen waren aber gerade zur Kolonialzeit am schlimmsten. Nicht nur in den Brennereien herrschten schreckliche Zustände, auch Sklaverei war ein großer Bestandteil des Alltags.

Als ich aus dem Bus aussteige haben wir fast halb acht, ich fühle mich gut, es ist Samstagabend und es kann weitergehen.

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