Tematzcal

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So ganz genau weiß ich auch nicht, wie ich hier von erzählen soll. Wahrscheinlich weil ich auf der einen Seite unglaublich viel Respekt vor diesem Ritual habe, von dem ich jetzt berichten werde, aber es einfach nicht den Effekt auf mich hatte, den es eigentlich hätte haben sollen.

Ein Tematzcal ist ein spirituelles Ritual, welches von den Ureinwohnern Mexikos stammt. Es steht sinnlich für eine Wieder- oder Neugeburt des Menschen und soll vor allem einen heilenden Effekt haben. Apulinar erzählte uns, dass er immer zum Tematzcal gehe, wenn es ihm schlecht gehe oder ihn etwas belastet.

Ein Tematzcal lässt sich vielleicht noch am ehesten mit einer Sauna vergleichen und findet in einem kleinen runden, aus Stein gebautem, Häuschen statt. Für mich hatte es eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Steinofen, aber das ist wahrscheinlich ein schlechter Vergleich. In der Mitte dieses Häuschens befindet sich ein Loch, das für den Erdkern steht. In dieses Loch werden heiße Steine gelegt, die vorher im offenen Feuer aufgewärmt wurden. Die Teilnehmer des Tematzcal setzten sich im Kreis um das Loch auf den Steinboden. Dann werden die ersten heißen Steine hinzugefügt, mit Kräuterwasser übergossen und es wird warm. Zum Beginn dazu gehört es, sich mit warmen Aloe Vera Blättern einzureiben. Stellen, die einem wehtun, wo man verspannt ist oder einfach wo es gut tut. Anschließend wird der Eingang mit mehreren Decken geschlossen, damit so wenig Luft wie möglich nach draußen entweicht. Uns haben insgesamt zwei Mexikaner bei dem Tematzcal begleitet. Eine Frau und ein Mann. Die Frau hat dabei wunderschön gesungen. Teils auf Spanisch, teils auf einer indigenen Sprache, die ich nicht verstanden habe. Am besten gefallen hat mir das erste Lied. Es handelte vom Mond, der Sonne und den Sternen, davon, wie alles begonnen hat. Dann fängt man an zu schwitzen. Das Tematzcal verläuft ab diesem Punkt in verschiedenen Phasen. Immer wieder werden die Decken beiseite geschoben um neue Steine in die Mitte zu legen. Die Kräuter werden ausgetauscht und zwischendurch werden wir mit einem Strauß Kräuter bespritzt. Was ich in sehr positiver Erinnerung habe ist der Geruch der heißen Steine in Kombination mit den frischen Kräutern (was genau für Kräuter das waren erinnere ich leider nicht mehr). Als Höhepunkt wird wahrscheinlich das Reden über die Gefühle angesehen. Jeder reihum erzählt, wie er sich fühlt, von seinen Ängsten, Erwartungen oder Emotionen. Dies kann für viele sehr anstrengend und schwierig werden. Ein Tematzcal ist sehr emotional. Es ist dazu da, dich mit dir selber zu beschäftigen und mit dem, was tief in dir drinnen vorgeht. Einige weinen, andere lachen. Ich fand es anstrengend, die Hitze hat mich auf eine Art und Weise gelähmt, dass ich einfach nicht sprechen wollte. Nicht nur weil es körperlich anstrengend war, sondern auch, weil ich nicht das Bedürfnis hatte mich auszutauschen, ich wollte wirklich für mich sein.

Auf diese Sprecheinheit, wo jeder einmal zu Wort kommen musste, folgte eine Einheit, in der wir alle zuerst mit heißem, dann mit kaltem Wasser abgespritzt wurden. Das war mein Lieblingspart. Der war erfrischend. Anschließend ging es weiter. Mit den Schwitzen, weitere Lieder, Kräuter und Steine.

Nach ca. 3 Stunden waren wir fertig. Es gab keinen richtigen Abschluss, es wurde wiedermal gesungen und wir mussten alle sagen, wie es uns gefallen hat, was wir mitnehmen und ob was wir von dieser Erfahrung halten. Ein weiterer Part, den ich gut erinnere ist das Austreten. Dies erfolgte nach einem ganz bestimmten Schema. Sobald die erste draußen war musste sie sich in eine Reihe stellen. Der darauf Folgende musste sie umarmen und sich hinter sie in die Reihe stellen und so weiter und so fort. Dann war das Tematzcal zu Ende und wir waren alle „neu geboren“.

Warum ich nicht „neu geboren“ war? Als erstes muss ich dem Tematzcal zu gute schreiben, dass ich mich danach auf irgendeine Art und Weise frisch gefühlt habe und am nächsten Tag eine superweiche und reine Haut hatte. Ansonsten habe ich diese drei Stunden eher anstrengend in Erinnerung. Eng an eng in Unterwäsche auf einem Steinboden in einem stockfinsteren Raum zu sitzen und wie ein Schwein zu schwitzen ist nicht jedermanns Sache. Es hat mich gestört, dass immer wieder die Tür aufgemacht wurde. Dadurch wurde man irgendwie rausgeholt. Das Reden war unangenehm und ich konnte mich nicht auf mich selber konzentrieren.

Es ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, genauso wie das Pulque, aber es war auf jeden Fall eine Erfahrung wert.

 

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