Elote

sdrsdr

Familie wird hier etwas anders definiert. Als ich letztes Wochenende auf eine Familienfeier mitgenommen wurde habe ich mich fast schon erschrocken, wie viele Leute da waren. Meine Familie in Deutschland ist zwar jetzt nicht die größte, aber die ein oder anderen Cousins und Cousinen habe ich schon und meine Mutter erst… Aber das, war eine ganz andere Liga!

Mir wurde gesagt, dass wir zu einer „Familienvereinigung“ fahren. Dass diese Familie, die hier wiedervereint wurde gar keine Verwandtschaft aufweisen konnte, habe ich erst vor Ort erfahren.

Im Grunde genommen ging es darum, dass sich ein Studienjahrgang von Ärzten in einem kleinen Dorf in der Nähe von Tequila wieder treffen wollte. Ganz einfach mal zum „Elote-Essen“. „Elotes“ sind Maiskolben, die über dem Feuer erhitzt und dann mit Salz, Limette, Salsa oder Crema zusammen gegessen werden. „Elotes“ findet man hier an jeder Straßenecke- immerhin ist Mais hier das Grundnahrungsmittel. Egal ob Tortillas, Burritos oder Quesadillas, ohne Mais, unvorstellbar, aber darum geht es gerade nicht.

Von Guadalajara aus fährt man ca. eine Stunde in das Dörfchen, von dem ich schon wieder den Namen vergessen habe. Auf dem Weg dahin sind mir auf dem Highway schon die abstrusesten Sachen begegnet. Zum Beispiel eine Familie, die hinten auf der Pick-Up Ladefläche saß, ein an sich nicht untypisches Bild hier in Mexiko, aber auf der Autobahn?! Neben Mama, Papa, Oma, Opa und Kind, saß auch der Hund mit hinten drauf und Papa und Opa zischten sich ein Bierchen. Eine Familie in Wochenendsmodus.

Angekommen in dem Dorf ohne Namen werde ich natürlich erst mal mit Elotes vollgestopft, zugegebenermaßen sind die aber auch ziemlich lecker. Ein bisschen herzhafter als der Mais in Deutschland. Dazu gibt es Tacos con Papa (Tacos mit Kartoffeln, Avocado und Salsa) und Quesadillas, nicht zu vergessen der Tequila. Immerhin werden die Agaven, aus denen der hergestellt wird, ausschließlich hier angebaut. Ich befinde mich also Wort wörtlich „an der Quelle“.

Ich bemerke aber auch, wie schlecht mein Spanisch doch tatsächlich ist, denn über die Smalltalkgrenze komme ich nicht hinaus. Als Themen wie Religion, zweiter Weltkrieg und die USA auf den Tisch kommen, muss ich passen. Weder Vokabular noch Grammatik können da mithalten und irgendwie finde ich es schade, gerne hätte ich mich mit den Leuten über diese Themen ausgetauscht, aber vielleicht sieht das in einem halben Jahr ja schon ganz anders aus…

Auch die Familiendynamik ist hier anders. Jung und alt sitzen alle zusammen an einem Tisch, wobei du Jungen immer mal wieder aufspringen um zum Trampolin oder zu den Fußballplätzen zu rennen. Trotzdem bilden sich kleine Gruppen. Da jeder Arzt seine eigene Familie mitgebracht hat, sitzen sie auch alle an unterschiedlichen Tischen. Immer wieder werden Fotos gemacht, nur keins von allen zusammen.

Da das Festessen schon um eins losging, löst sich die Familie schon ab fünf pö a pö auf und es werden immer weniger, bis sich letztendlich der engere Kreis unter dem großen weißen Zelt mit dem Kronleuchter in der Mitte zusammengefunden hat. Irgendjemand hat eine Gitarre mitgebracht und spielt. Alle helfen mit die Tische zusammenzuräumen, Müllsäcke zu füllen und Reste zu verpacken. Schon gegen fünf sah man die Tanten und Onkel mit Haufenweise Elotes zu ihren Autos stapfen um das Essen für die nächste Woche zu verstauen.

Gegen neun, halb zehn fängt es an zu regnen und die Familie versammelt sich wieder unter dem Zelt, es werden Lieder gesungen und teilweise wird liebevoll für mich übersetzt. Eine unglaublich magische Atmosphäre, die dann dadurch zerstört wird, dass die Frauen ihre Sandalen auf den Boden schmeißen und die Männer mit leeren Plastikflaschen auf die Stuhllehnen trommeln, alles sehr energisch. Bis ich realisiert habe, dass dies der Text verlangt, ist das Lied vorbei und der Abend herum. Auf dem Rückweg schläft mein Gastbruder an meine Schulter gelehnt eins, immerhin haben sie eins gemeinsam, die Familienfeiern in Deutschland und Mexiko, sie sind alle unglaublich anstrengend.

 

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