WAS ICH WILL

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„Was will ich eigentlich?“ Diese Frage beschäftigt mich nicht erst seit gestern. Auch nicht seit meinem Schulabschluss im Juli und auch nicht seitdem ich beschlossen habe für ein Jahr nach Mexiko ins wunderschöne Guadalajara zu ziehen. Es ist eine Frage, die ständig aktuell ist. Selbst bei den kleinsten Entscheidungen die wir in unserem Alltag treffen, stellen wir sie uns.

Jedoch geht mit meinem Schulabschluss auch ein großer Wandel in meinem Leben einher. Ich habe keine Schule mehr, die meinen Alltag bestimmt und ihm eine Struktur gibt.

Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man vor einer großen weißen Fläche stehen, die es zu gestalten gilt.

Möglichkeiten gibt es unglaublich viele. Da wäre ganz klassisch der Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung, ein Auslandsjahr, in dem man einfach reist, Work&Travel, Opair, die Option eine Zeit lang in Deutschland zu arbeiten, bis man genug Geld zum Reisen zusammen hat. Vom FSJ über ein Praktikum bis hin zur sozialen Hilfe ist natürlich auch alles dabei.

Was mir klar war, war, dass ich ins Ausland wollte. Eine andere Kultur/ Lebensweise kennenlernen. Mal etwas ganz anderes machen nach diesen 12 Jahren Schule.

Auf der anderen Seite wollte ich aber auch Arbeitserfahrungen sammeln, ein FSJ fand ich cool. Irgendwo auch Menschen helfen um den Punkt „Welt retten“ endlich auf meiner To-Do-Liste abhaken zu können.

Im Dezember 2016 bewarb ich mich deshalb bei kulturweit. Dem Frewilligendienst des Auswärtigen Amtes mit Unterstützung der Deutschen UNESCO-Kommission. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet angenommen und dann auch noch an eine Schule in Mexiko geschickt zu werden! Tja, nicht mal ein Jahr später sitze ich nun hier, schaue aus meinem Fenster und sehe Palmen, Wälder, Kolibris und jede Menge Schmetterlinge -etwas ganz anderes.

Ich habe es also geschafft meine weiße Fläche für ein Jahr mehr oder weniger zu gestalten. Ich habe es geschafft meinen Wunsch ins Ausland zu gehen und ein FSJ zu machen, zu erfüllen. Eigentlich perfekt, oder?

Jedoch nach über einem Monat im FSJ kommen einem Zweifel auf. Ist es wirklich das was ich will? Wäre es nicht viel schöner gewesen sich einfach mal fallen zu lassen und zu reisen? Menschen kennenlernen, frei sein, nicht an einen Vertrag gebunden.

Zweifel aber auch in die Richtung, ob ich mich mit den Werten kulturweits tatsächlich so identifizieren kann, wie ich es anfangs dachte. Punkto „Welt retten“ kann ich mir hier nämlich ganz schnell wieder abschminken.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich realisiert habe, dass es sich hier nicht um ein soziales Jahr handelt, in dem ich hilfsbedürftigen Kindern Essen gebe und Hütten aufbaue, da hätte ich mir schon etwas anderes suchen müssen. Bei kulturweit geht es um den Kulturaustausch, darum, die deutsche Kultur nach außen zu tragen und viele neue Denkweisen, Traditionen und Eindrücke mit nach Deutschland zu bringen. Es geht um den Perspektivwechsel.

Und genau diesen Perspektivwechsel habe ich mir für meine weiße Fläche gewünscht. Etwas komplett Neues kennenlernen, denn gerade dadurch, dass man unbekannte Sachen ausprobiert und neugierig ist, bekommt man doch heraus, was man will und was nicht.

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