ÜBER MEINEN VERSUCH INS FITNESSSTUDIO ZU GEHEN

Zwei Monate ohne Sport, viele Autofahrten (weil man hier ja nicht läuft) und jede Menge Tacos später, entscheide ich mich dafür mal wieder etwas für die Figur und den gesunden Lebensstil zu tun. Gesünder essen? No es posible (unmöglich)! Einfach mal eine Runde durch die Straßen joggen? Viel zu gefährlich. Und Home-Workouts mit zwei kleinen Brüdern leider auch unvorstellbar.

In Mexiko geht man ins Fitnessstudio. Wenn überhaupt. Zu meinem Kulturaustausch gehört also auch dieses Vergnügen.

Ihr werdet lachen, aber ich habe es tatsächlich durchgezogen eine Woche lang (Mo-Fr) täglich für mindestens eine Stunde zum Sport zu gehen. Was so ein Auslandsaufenthalt alles mit einem macht…

In Deutschland noch hatte ich die größte Abneigung gegen jegliche Fitnessstudios, in denen man einfach nur stumpf irgendwelche Übungen macht um gut auszusehen und seinen Freunden den Bizeps zeigen zu können, wozu? Für mich war Sport immer mehr eine Sache, die Spaß machen sollte, bei der du dich wohlfühlst und am besten im Freien. Von Yoga über Tanzen, Klettern, Judo, Turnen und Tischtennis hatte ich eigentlich alles schon mal ausprobiert. Nur das Fitnessstudio fehlte eben.

An meinem ersten Tag begrüßt man mich super herzlich, die Trainer quetschen mich aus woher ich komme und was ich hier mache. Danach werde ich aufs Laufband verfrachtet. Stumm laufe ich meine halbe Stunde ab und beobachte die Leute dabei, wie sie ihre Einkäufe erledigen und diese zusammen mit ihren Kindern ins Auto verfrachten. Danach schließe ich mich noch einem Kurs an, der den Namen „Ritmos Latinos“ trägt und tanze eine halbe Stunde lang mit älteren Damen vor einem Spiegel. In diesem Moment vermisse ich mein Tanzstudio in Hamburg. Dort kannte ich die Leute, man schaute sich in die Augen und lachte gemeinsam darüber, wenn man die Bewegungen nicht auf die Reihe bekommen hat.

Am zweiten Tag steht Pilates auf dem Stundenplan. Definitiv schneller als in good old Hamburg, was nicht heißt, dass es auch schwieriger ist. Die Einstellung dem Sport gegenüber ist hier irgendwie ein bisschen anders. Anstatt die Klasse ein bisschen zu überziehen oder pünktlich Schluss zu machen, hört man hier lieber 10 Minuten vorher auf und lässt das Dehnen komplett ausfallen.

Im Allgemeinen fällt mir auf, dass die Mexikaner das Studio viel zu frisch wieder verlassen. Mal abgesehen davon, dass ich hier sowieso 24/7 wie eine rote Tomate rumlaufe, weil es tagsüber einfach viel zu heiß ist, sehe ich nach 40 Minuten Laufband und 30 Minuten Krafttraining eher so als, dass man mich in eine Eiskammer stecken müsste, damit ich wieder auf Normaltemperatur komme. Die Mexikaner hingegen setzen sich ihre Sonnenbrille auf, werfen sich lässig ihre Tasche über den Arm und schlendern zu ihrem Jeep, um schnell noch beim „Black Coffee“ vorbeizufahren und sich ihren wohlverdienten Frappuchino zu holen.

Zum Glück habe ich einen mega coolen Trainer, der mich jedes Mal mit Handschlag begrüßt, egal ob ich mir gerade einen auf dem Laufband abhechel oder mit Tante und Omi zusammen das Tanzbein schwinge. Er zeigt mir, wie ich die Geräte richtig benutze und geht auf meine individuellen Wünsche ein. Zwischendurch tanzt er auch mal zu der überlauten Musik oder sporrnt die herumhockenden Faulenzer an.

Eine weitere Sache die mir hier auffällt. Es ist zwar berechtigt und auch empfehlenswert sich zwischen den einzelnen Zirkeln oder Übungen eine kleine Verschnauffspause zu gönnen, nur haben die anderen „Sportler“ das mit dem Verhältnis noch nicht so ganz begriffen.

Mein Resultat nach einer Woche Fitnesstudio, lautet: „Nett“, aber „nett“ ist eben auch nur die kleine Schwester von „ziemlich beschissen“. Für mich ist Sport einfach mehr als bestimmte Muskelgruppen zu trainieren oder stumm auf einem Laufband seine Minuten abzulaufen. Für faule Mexikaner, die ansonsten ihr Fußball nur von der Couch aus gucken ist es bestimmt eine super Alternative den Bildschirm eben vor’s Laufband zu klemmen, aber ich laufe viel lieber im Freien.

Das beste an der ganzen Woche war es nämlich mit Musik oder Podcasts in den Ohren die 10 Minuten zum Fitnessstudio zu laufen. Da habe ich mich nicht nur aufgewärmt, sondern auch unglaublich frei gefühlt, eine kleine Rebellion gegen die ganze Autofahrerei hier.

 

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MEXICAN STREET ART NO. UNO

That Mexico is a country full of colors is nothing new, but I didn’t expect it to be that creative as well. In every second corner of Guadalajara you find new artsy stuff, like paintings or sculptures. It’s a thing I fell in love with from the first moment on. Here are some of my favourites so far. A lot more to come…
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ELOTE

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Familie wird hier etwas anders definiert. Als ich letztes Wochenende auf eine Familienfeier mitgenommen wurde habe ich mich fast schon erschrocken, wie viele Leute da waren. Meine Familie in Deutschland ist zwar jetzt nicht die größte, aber die ein oder anderen Cousins und Cousinen habe ich schon und meine Mutter erst… Aber das, war eine ganz andere Liga!

Mir wurde gesagt, dass wir zu einer „Familienvereinigung“ fahren. Dass diese Familie, die hier wiedervereint wurde gar keine Verwandtschaft aufweisen konnte, habe ich erst vor Ort erfahren.

Im Grunde genommen ging es darum, dass sich ein Studienjahrgang von Ärzten in einem kleinen Dorf in der Nähe von Tequila wieder treffen wollte. Ganz einfach mal zum „Elote-Essen“. „Elotes“ sind Maiskolben, die über dem Feuer erhitzt und dann mit Salz, Limette, Salsa oder Crema zusammen gegessen werden. „Elotes“ findet man hier an jeder Straßenecke- immerhin ist Mais hier das Grundnahrungsmittel. Egal ob Tortillas, Burritos oder Quesadillas, ohne Mais, unvorstellbar, aber darum geht es gerade nicht.

Von Guadalajara aus fährt man ca. eine Stunde in das Dörfchen, von dem ich schon wieder den Namen vergessen habe. Auf dem Weg dahin sind mir auf dem Highway schon die abstrusesten Sachen begegnet. Zum Beispiel eine Familie, die hinten auf der Pick-Up Ladefläche saß, ein an sich nicht untypisches Bild hier in Mexiko, aber auf der Autobahn?! Neben Mama, Papa, Oma, Opa und Kind, saß auch der Hund mit hinten drauf und Papa und Opa zischten sich ein Bierchen. Eine Familie in Wochenendsmodus.

Angekommen in dem Dorf ohne Namen werde ich natürlich erst mal mit Elotes vollgestopft, zugegebenermaßen sind die aber auch ziemlich lecker. Ein bisschen herzhafter als der Mais in Deutschland. Dazu gibt es Tacos con Papa (Tacos mit Kartoffeln, Avocado und Salsa) und Quesadillas, nicht zu vergessen der Tequila. Immerhin werden die Agaven, aus denen der hergestellt wird, ausschließlich hier angebaut. Ich befinde mich also Wort wörtlich „an der Quelle“.

Ich bemerke aber auch, wie schlecht mein Spanisch doch tatsächlich ist, denn über die Smalltalkgrenze komme ich nicht hinaus. Als Themen wie Religion, zweiter Weltkrieg und die USA auf den Tisch kommen, muss ich passen. Weder Vokabular noch Grammatik können da mithalten und irgendwie finde ich es schade, gerne hätte ich mich mit den Leuten über diese Themen ausgetauscht, aber vielleicht sieht das in einem halben Jahr ja schon ganz anders aus…

Auch die Familiendynamik ist hier anders. Jung und alt sitzen alle zusammen an einem Tisch, wobei du Jungen immer mal wieder aufspringen um zum Trampolin oder zu den Fußballplätzen zu rennen. Trotzdem bilden sich kleine Gruppen. Da jeder Arzt seine eigene Familie mitgebracht hat, sitzen sie auch alle an unterschiedlichen Tischen. Immer wieder werden Fotos gemacht, nur keins von allen zusammen.

Da das Festessen schon um eins losging, löst sich die Familie schon ab fünf pö a pö auf und es werden immer weniger, bis sich letztendlich der engere Kreis unter dem großen weißen Zelt mit dem Kronleuchter in der Mitte zusammengefunden hat. Irgendjemand hat eine Gitarre mitgebracht und spielt. Alle helfen mit die Tische zusammenzuräumen, Müllsäcke zu füllen und Reste zu verpacken. Schon gegen fünf sah man die Tanten und Onkel mit Haufenweise Elotes zu ihren Autos stapfen um das Essen für die nächste Woche zu verstauen.

Gegen neun, halb zehn fängt es an zu regnen und die Familie versammelt sich wieder unter dem Zelt, es werden Lieder gesungen und teilweise wird liebevoll für mich übersetzt. Eine unglaublich magische Atmosphäre, die dann dadurch zerstört wird, dass die Frauen ihre Sandalen auf den Boden schmeißen und die Männer mit leeren Plastikflaschen auf die Stuhllehnen trommeln, alles sehr energisch. Bis ich realisiert habe, dass dies der Text verlangt, ist das Lied vorbei und der Abend herum. Auf dem Rückweg schläft mein Gastbruder an meine Schulter gelehnt eins, immerhin haben sie eins gemeinsam, die Familienfeiern in Deutschland und Mexiko, sie sind alle unglaublich anstrengend.

WAS ICH WILL

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„Was will ich eigentlich?“ Diese Frage beschäftigt mich nicht erst seit gestern. Auch nicht seit meinem Schulabschluss im Juli und auch nicht seitdem ich beschlossen habe für ein Jahr nach Mexiko ins wunderschöne Guadalajara zu ziehen. Es ist eine Frage, die ständig aktuell ist. Selbst bei den kleinsten Entscheidungen die wir in unserem Alltag treffen, stellen wir sie uns.

Jedoch geht mit meinem Schulabschluss auch ein großer Wandel in meinem Leben einher. Ich habe keine Schule mehr, die meinen Alltag bestimmt und ihm eine Struktur gibt.

Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man vor einer großen weißen Fläche stehen, die es zu gestalten gilt.

Möglichkeiten gibt es unglaublich viele. Da wäre ganz klassisch der Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung, ein Auslandsjahr, in dem man einfach reist, Work&Travel, Opair, die Option eine Zeit lang in Deutschland zu arbeiten, bis man genug Geld zum Reisen zusammen hat. Vom FSJ über ein Praktikum bis hin zur sozialen Hilfe ist natürlich auch alles dabei.

Was mir klar war, war, dass ich ins Ausland wollte. Eine andere Kultur/ Lebensweise kennenlernen. Mal etwas ganz anderes machen nach diesen 12 Jahren Schule.

Auf der anderen Seite wollte ich aber auch Arbeitserfahrungen sammeln, ein FSJ fand ich cool. Irgendwo auch Menschen helfen um den Punkt „Welt retten“ endlich auf meiner To-Do-Liste abhaken zu können.

Im Dezember 2016 bewarb ich mich deshalb bei kulturweit. Dem Frewilligendienst des Auswärtigen Amtes mit Unterstützung der Deutschen UNESCO-Kommission. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet angenommen und dann auch noch an eine Schule in Mexiko geschickt zu werden! Tja, nicht mal ein Jahr später sitze ich nun hier, schaue aus meinem Fenster und sehe Palmen, Wälder, Kolibris und jede Menge Schmetterlinge -etwas ganz anderes.

Ich habe es also geschafft meine weiße Fläche für ein Jahr mehr oder weniger zu gestalten. Ich habe es geschafft meinen Wunsch ins Ausland zu gehen und ein FSJ zu machen, zu erfüllen. Eigentlich perfekt, oder?

Jedoch nach über einem Monat im FSJ kommen einem Zweifel auf. Ist es wirklich das was ich will? Wäre es nicht viel schöner gewesen sich einfach mal fallen zu lassen und zu reisen? Menschen kennenlernen, frei sein, nicht an einen Vertrag gebunden.

Zweifel aber auch in die Richtung, ob ich mich mit den Werten kulturweits tatsächlich so identifizieren kann, wie ich es anfangs dachte. Punkto „Welt retten“ kann ich mir hier nämlich ganz schnell wieder abschminken.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich realisiert habe, dass es sich hier nicht um ein soziales Jahr handelt, in dem ich hilfsbedürftigen Kindern Essen gebe und Hütten aufbaue, da hätte ich mir schon etwas anderes suchen müssen. Bei kulturweit geht es um den Kulturaustausch, darum, die deutsche Kultur nach außen zu tragen und viele neue Denkweisen, Traditionen und Eindrücke mit nach Deutschland zu bringen. Es geht um den Perspektivwechsel.

Und genau diesen Perspektivwechsel habe ich mir für meine weiße Fläche gewünscht. Etwas komplett Neues kennenlernen, denn gerade dadurch, dass man unbekannte Sachen ausprobiert und neugierig ist, bekommt man doch heraus, was man will und was nicht.