DIE ERSTEN ZEHN TAGE: WAFFELN OHNE HERZCHEN

Angefangen hat alles mit einem Kulturschock. Mit 24h Verspätung komme ich ENDLICH in Guadalajara an, meiner neuen Heimat. Ein Jahr werde ich als Freiwillige in Zapopan verbringen, die Stadt, das Land und die Leute kennenlernen. Herzlich werde ich von meiner Gastfamilie am Flughafen empfangen und keine Stund später schon mit Quesadillas und Avocado vollgestopft, die hier übrigens Auguacate, “nasse Birne” heißt.

Am darauffolgenden Samstag ist “Día de la Independencia”, daher wird schon am Freitag an meinem neuen Arbeitsplatz ordentlich gefeiert. Die mexikanischen Kollegen bringen den Deutschen typisch mexikanisches Essen mit und alle sind in traditionellen Gewändern gekleidet. Auch ich bekomme direkt eine Bluse in die Hand gedrückt. Trotzdem ist alles anders und ungewohnt. Die Autos sind riesig, die Sonne strahlt, ich verstehe kein Wort und die Menschen leben in Gated Communities. Hast du an deinem Auto nicht die passende Plakette kleben, wirst du am Eingang angehalten, nach Namen und Zielort gefragt. Ohne Auto kommst du hier nicht weit.

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Am Samstag starte ich trotzdem den Versuch und fahre ins “centro” nach Guadalajara. Eine Stadt, in die ich mich direkt verliebe. Überall sind Menschen, alles ist bunt und zwischendurch sind immer mal wieder die wunderschönen alten Kirchen aus der Kolonialzeit zu entdecken. Die mexikanische Flagge ist heute sehr stark vertreten und überall ist Musik, Theater und Schauspiel, nur mein Spanisch will nicht ganz mitspielen und so versuche ich meinem Uber-Fahrer (Uber=Taxi) eher schlecht als recht zu erklären, wo genau ich eigentlich hin möchte. Mit etwas Geduld schaffe ich es und treffe mich mit einer anderen Freiwilligen am “teatro”. Gemeinsam erkunden wir die Stadt, schlendern durch die Straßen und verhandeln mit den Verkäufern auf dem Markt.

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Am nächsten Tag geht es nach Chapala, ein Ort am gleichnamigen See. Mein Gastbruder muss für ein Projekt der Schule recherchieren. Gefrühstückt wird an einer Raststätte. “Gorditas” sind plattgedrückte Tacos, gefüllt mit was auch immer du willst und mit Käse überbacken. Dazu Café con Olla (typisch mexikanisch, sehr süß und mit viel Zimt- ABER lecker!) zum Nachtisch einen Kuchen. “Gordita” kommt von “gordo/-a”, was so viel wie “fett” oder “dick sein” bedeutet. So ziemlich alle, die mir bis jetzt begegnet sind, haben mir prophezeit, dass ich Mexiko mit ein paar Kilo mehr auf den Rippen verlassen werde. Mal gucken wie sich das entwickelt.

Lago Chapala entpuppt sich als ein riesiger See, mit viel Algen, Dreck und Touristen. Eine Weile bummeln wir am Ufer entlang, bis wir beschließen zurück in die Stadt zu fahren. Dort wird wieder gegessen. “Enchiladas con frijoles”, langsam bekomme ich das Gefühl, dass sich die Prophezeiung bewahrheiten wird. Am Abend geht es dann spontan ins “Lucha Liebe”. Hier kämpfen Frauen und Männer (getrennt) gegeneinander. Gekleidet in Kostümen und mit Masken ausgestattet wirkt das ganze eher wie ein Zirkus mit viel Drama. Wie durch Zufall gewinnen die verschiedenen Mannschaften immer abwechselnd, bis die Guten (Tecnicas) mit ihrem “Rayo de Jalisco” (“Blitz von Jalisco”- Jaliso= Bundesstaat) den Sieg einholen.

sdr

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Auf ein wunderschönes Wochenende folgt eine sehr emotionale Woche. Das Zuhause ist noch sehr nah, die Arbeit komisch. Es wird wohl einfach noch ein bisschen dauern, bis ich hier meinen Platz gefunden habe, aber ich denke, dass ist mehr oder weniger normal. Immerhin habe ich ja jetzt ein Jahr Zeit die verschiedenen Lebensformen Mexikos kennenzulernen.

Tag neun und zehn verbringe ich damit mich ein bisschen unter die Leute zu mischen. Am Samstag stehen “Babyshower de gringolandia” aka USA und Junggesellenabschied an. Ein paar Sachen werden mir hier klar:

  1. Die mexikanischen Frauen lieben es sich 3kg Make Up ins Gesicht zu klatschen.
  2. Zucker ist nach Mais das wichtigste Nahrungsmittel. Früchte an sich sind ja noch nicht süß genug, so müssen auch Wassermelone, Ananas und Mango mit einer Extraportion Zucker ausgestattet werden, nicht zu vergessen der Orangesaft- ohne Zucker?! “Viel zu bitter!”
  3. Außerdem lieben die Mexikaner Spiele. Auf beiden Veranstaltungen stehen mindestens drei auf dem Programm. Und was für welche! Wenn es darum geht ihre Lieben zu unterhalten lassen sich die Mexikaner richtig was einfallen. Für das Baby werden Lieder gedichtet und Strampler bemalt, auf dem Junggesellenabschied wird sich darum gestritten, wer die Braut am besten kennt und ein Kleid aus Papier entworfen.
  4. Meine mexikanische Mama ist schlimmer als Mutti in Deutschland. Selbst ein Uber ist ihr nicht sicher genug. Während meine Mutter zuhause “nur” den Flighttracker anschmeißt um sicher zu gehen, dass mein Flugzeug auch nicht abstürzt, möchte meine mexikanische Mama Name und Kennzeichen vom Uber haben und verfolgt mich per App bis in die Stadt- Danke Ale;) ❤

Meine ersten zehn Tage sind um und waren reich gefüllt mit Emotionen und neuen Eindrücken. Die nächsten Ausflüge und Reisen sind schon geplant, denn Mexiko hat mit Sicherheit noch mehr zu bieten außer Gated Communities und viel Essen.

Was ich bis jetzt vermisse? Die Herzchen an den Waffeln, denn die haben hier die Form einer Schale, die mit jeder Menge zuckerhaltiger Sachen gefüllt werden kann. Da bevorzuge ich doch tatsächlich noch Mamas klassische Waffeln aus Hamburg, die man schon erschnuppern konnte, wenn man auf den Garagenhof gefahren ist.

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Muchos saludos de Guadalajara,

Liva

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