URLAUB OHNE DAS GEWISSE ETWAS

IMG_1078IMG_1129IMG_0960Spaniens Südküste lockt mit Sonne, Strand und Meer. Nicht nur die High Society flaniert in Marbella die Promenade entlang, etwas weiter östlich urlaubt auch die gesunde Mittelschicht. Spontan einen günstigen Flug nach Malaga erwischt, geht es für eine Woche in das sonnige Andalusien.

Überrascht werde ich zuerst mal von den unzähligen Bettenburgen an der Küste. Der Strand ist vor lauter Hotels nicht zu entdecken und auch die Innenstadt von Málaga ist vollgestopft mit Touristen. Für meinen Geschmack verstehe ich viel zu viel von dem was die Leute um mich herum reden, es wird fast überall deutsch gesprochen. Und ich dachte wir wären hier in Spanien…

Unser Haus liegt „etwas“ abseits. Wir kurven uns die Berge über Nerja hoch und landen in einem winzigen Dorf namens „Corumbéla“. So klein das Dorf auch erscheint, gibt es tatsächlich zwei kleine Supermärkte, eine Schule und jede Menge kleine Gassen. Mir wird schlecht bei dem Gedanken, dass dort Autos hoch fahren sollen. Schnell erkennt man daher auch die einheimischen Autos. Sie zeichnen sich durch etliche Schrammen und Dellen aus, gut, dass wir bei diesen Straßenbedingungen keine Unterbodenversicherung abgeschlossen haben…

Corumbéla und auch die Nachbardörfer um uns herum sind sehr idyllisch, erstaunlich gut ausgebaut, sauber und mit einer klaren Infrastruktur.

Die Dörfer in der Sierra Nevada, die wir zwei Tage später erkunden, sind hingegen heruntergekommen und dreckig. Der Tourismus boomt hier. Von dieser „idyllischen Dörfertour“, wie der Reiseführer sie uns beschrieben hat, haben wir uns definitiv mehr versprochen. Vor allem für mich als Vegetarierin erweist sich dieser Ausflug als Höllentrip. War mir bis jetzt vom ganzen Serpentinenfahren noch nicht schlecht genug, geben mir die riesigen Schenkel, die in den Geschäften zuhauf von der Decke hängen, den Rest.

Kulinarisch wertvoll ist dieser Urlaub aber im Allgemeinen nicht. Vegetarische Tapas sind schwierig aufzutreiben, ansonsten bleiben Meeresfrüchte, Fisch, Fleisch und ganz viel „Jamón“ oder eben direkt alles in eine Pfanne gehauen und mit ein bisschen Reis zu einer „Paella“ aufgepimpt.

Es ist Mittwochnachmittag und wir starten unseren dritten Anlauf, die Höhlen von Nerja zu besichtigen. Da die Führung erst in einer Stunde beginnt bummeln wir ein bisschen durch Maro, über eine Autobahnbrücke, vorbei an einem botanischen Garten, setzten uns letztendlich auf eine Bank mit Sicht auf Hotels und mit Glück ein bisschen Meer.

Uns fällt auf, dass in diesem Urlaub irgendetwas fehlt. Genau beschreiben kann es niemand so richtig, aber bis jetzt war es in jedem Urlaub so, dass irgendwo ein Überraschungsmoment dabei war, man ist dem Ort, dem Land, das man bereist irgendwie ein kleines bisschen näher gekommen, man hat es verstanden. Hier fehlt das. Ob es daran liegt, dass wir uns in einer Region befinden, wo der Tourismus das einheimische Leben fast vollständig verdrängt hat, ist schwer zu sagen.

Doch dann besichtigen wir die Höhlen (natürlich in einer großen Touristengruppe und mit Audioguides auf deutsch ausgestattet). Durch etliche Wander-und Kletterausflüge kann ich sagen, dass ich schon die ein oder andere Höhle besichtigen durfte, aber diese raubt mir tatsächlich den Atem! Die Höhle von Nerja imponiert mit ihrer Größe und Schönheit. Die Stalakmiten und Stalaktiten, die überall zu sehen sind formen sich in einem der größten Räume zu einer Art Wasserfall zusammen, wow! Auch die Geschichte der Höhle ist super interessant. Nachdem die Höhle vor tausenden von Jahren von uns Menschen bewohnt wurde, lag sie bis 1959 versteckt. Erst fünf spielende Kinder entdeckten sie Ende der 50er Jahre und meldeten den Fund ihrem Lehrer. Seit dem findet in den Höhlen jährlich ein Kunstfestival statt.

Das nächste Highlight unserer Woche in Andalusien folgt direkt am nächsten Tag. Egal wie enttäuscht ich von Andalusien bis zu diesem Zeitpunkt war, Granada hat mich überrascht und kommt definitiv auf die Liste der schönsten Städte, die ich besucht habe. Kleine Gassen, in denen sich die Touristen ausnahmsweise mal nicht stauen und eine unglaubliche Geschichte.

Schon seit dem 10. Jahrhundert stoßen hier die Kulturen aufeinander. Man merkt den arabischen Einfluss aus der Zeit der Nasridenherrschaft. Erstaunlicherweise stoßen hier aber nicht nur die arabische und europäische Kultur aufeinander, auch der indische Einfluss wird deutlich. Von unserem Tourguide erfahren wir, dass vor ca. 500 Jahren eine Gruppe aus Indien über Osteuropa bis nach Granada gereist ist. Dort angekommen, werden sie nicht aufgenommen. Die sogenannten „Gypsis“ müssen in Höhlen abgetrennt vom Stadtleben ziehen. Wir erfahren, dass sie dort unter den unmöglichsten Bedingungen und durch eine Mauer von der Zivilisation getrennt, leben mussten. Vor 500 Jahren mag das vielleicht gar nicht so absurd klingen, tatsächlich wurde die Mauer jedoch erst vor ca. 45 Jahren geöffnet. Die Gypsis leben bis heute in ihren Höhlen und haben sich noch immer nicht vollständig in die Gesellschaft integriert. Sie sind ausgezeichnete Flamencotänzer und es wird gemunkelt, dass sie es waren, die diesen Tanz nach Spanien brachten und gar nicht dort vor Ort entstanden ist, eine interessante These…

Mit einem Besuch in Granada ist natürlich auch unweigerlich ein Besuch der Alhambra und seinen Palästen verbunden.

Um ganz ehrlich zu sein fand ich das ziemlich anstrengend. Die Hitze, die Schulklassen, welche zu den üblichen Touristenmassen hinzukommen, auf einmal ist man nicht mehr aufnahmefähig. Mühselig schleppen wir uns zusammen mit anderen Besuchern durch die Stadt und bewundern alte Gemäuer. Um die Alhambra genießen zu können empfehle ich definitiv sich einen ganzen Tag Zeit zu nehmen und am besten mit Picknickkorb, denn die großen Rasenflächen mit den schattenspendenden Bäumen laden nur so zum Pause machen ein.

Am Samstag geht es zurück. Im Flieger sitzen die gleichen Leute, wie auf dem Hinflug. Diesmal nur braun gebrannt und, mal abgesehen von den Müttern, alle wesentlich entspannter.

Ich war nie ein großer Spanien-Fan, die Kultur dort hat mich nicht wirklich interessiert und das Essen erst recht nicht. In Granada habe ich mich verleibt. Jedoch auch nur in die Innenstadt. Der Rest von Andalusien ist vom Tourismus überrannt. Natürlich gibt es überall auch schöne Ecken, unser Dorf war ein Traum und auch Teile der Sierra Nevada. Betrachtet man das nur im Verhältnis zum Rest fehlt das gewisse Etwas.

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