DIARY ENTRY 5.10 + 6.10.2k16

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Was das Autofahren angeht, kann mich jetzt nichts mehr schocken! Denn was ich die letzten zwei Tage durchgemacht habe ist einfach unglaublich. Ich hatte mich schon auf die Safari gefreut, aber mit dem was wir erlebt und gesehen haben, habe ich mit Sicherheit nicht gerechnet. So viele Erfahrungen, ich bin immer noch völlig geflasht!

Dienstagmorgen: 3:00 am – Aufstehen angesagt. Total übermüdet steigen wir in das Taxi (DallaDalla) nach Moshi. Gefühlte 30 Min. später steigen wir in unseren Safari-Bus um. Und…ein eigener Sitzplatz – JACKPOTT!!! Und was für einer! Endlich kann ich meine Beine mal wieder ausstrecken.

Nach zwei Stunden Schlaf sind wir dann in Arusha. Einer Stadt mit 1,2 Mio. Einwohnern. Das Stadtbild ungewohnt anders. Die Häuser größtenteils flach oder nur halb fertig. Und für 7:00 am treiben sich eine Menge Leute auf der Straße herum. Ein Bild, dass ich so schnell nicht wieder vergessen werde, ist der Mann mit einer alten Holzschubkarre, vor einem modernen Gebäude in dem protzige Jeeps verkauft werden, der verzweifelt versucht die Straße zu überqueren. Unheimlich. Widersprüchlich.

Im Nationalpark Tarangere angekommen, beeindruckt die Landschaft. Die unendlichen Weiten, ein echtes Roadtrip-Gefühl kommt auf. Immer häufiger tauchen die Lehmhütten der Masai auf, man sieht Frauen und Kinder mit Eseln zu dem 7km entfernten Wasserloch wandern.

Im Nationalpark begegnen uns dann nach langer Zeit mal wieder Weiße (Mzungus). Touristen – eine seltene Spezies. Aber auch die ersten Giraffen und Impalas lassen sich blicken. Dann geht es richtig los! Tuende! Das Safaridach des Autos wird ausgeklappt, die Ferngläser herausgeholt und nach ca. 20 Min. begegnen wir dem ersten Leoparden! Ein Leopard!! Ich meine “HALLO”?! Wenn das mal kein gelungener Start ist… Aber so zieht es sich den ganzen Tag fort. Ein Tier folgt dem anderen und der Akku der Kamera ist fast leer-na super! Aber es ist ja nicht so, dass ich alleine reisen würde und niemand um mich herum Fotos macht ;).

Gegen 5:00 pm kommen wir in unserer Lodge an, völlig fertig. Trotzdem beschließen wir uns dazu noch eine Wanderung anzutreten. Ein Fehler. “Immerhin haben wir uns noch einmal bewegt!“, sage ich als wir nach 1,5h wieder zurück sind und ernte böse Blicke.

Unsere “Wanderung” bestand darin unserem Guide, der allerdings diesen typisch afrikanisch unterhaltsamen Gang hatte, die Hauptstraße bis zu einem “Aussichtspunkt” hinauf zu folgen, der aus einem kleinen Platz hinter der Leitplanke bestand. Der totale Reinfall. Naja, immerhin lohnt sich die Dusche jetzt so richtig und man verschwendet hier kein wertvolles Wasser. Darauf folgt das lang ersehnte Essen und dann das Bett.

Ca. 6h Schlaf später geht der Spaß dann auch schon weiter. Aufstehen, Sachen packen, frühstücken und um kurz vor 6:00 am sitzen wir alle wieder im Auto. Unterwegs in Richtung Ngorongoro. „Sonnenaufganggucken“ fällt heute wieder aus. Die vielen Wolken verderben uns den Spaß. Das Wetter ist hier wirklich deprimierend. Denkt man an Afrikas Klima, denkt man an strahlend blauen Himmel und brütende Hitze. Pustekuchen! Regen, angenehme 17 Grad Celsius und Wolken all day long. Da hätte ich auch in Deutschland bleiben können. Meinen Koffer habe ich total falsch gepackt. Anstatt dass mir die Schweißperlen die Stirn herunterlaufen friere ich jeden Tag aufs Neue und bin froh, immerhin ein paar Pullis dabei zu haben.

Kurz nachdem wir das Tor zum Ngorongoro Krater durchfahren wird es dann richtig gruselig. Wir befinden uns mitten in den Wolken und weiter als 3m kann man mit Sicherheit nicht gucken. Unseren Fahrer interessiert das aber herzlich wenig. Amadeus prescht mit 50km/h durch den Wald und über die holprigen Straßen. Doch dann geht der Weg auf einmal bergab und man kann tatsächlich etwas sehen! Und was! Der Krater steckt sich im diesigen Morgenlicht vor uns geradezu majestätisch aus! Die Größe ist wirklich imponierend, von weitem kann man schon die ersten Büffelherden sehen. Es gibt nur einen Nachteil: der Weg nach unten. Aber auch den habe ich überlebt. Auf die Büffel folgen Gnus, Gazellen, Antilopen, Zebras, Hyänen, sogar Nilpferde und Nashörner bekommen wir zu sehen.

Die “Big Five of Africa” haben wir auf jeden Fall alle gesehen – CHECK! Das wären dann nämlich Elefant, Löwe, Leopard, Büffel und Nashörner. Amadeus erklärt uns, dass dies die “Big Five” sind, weil sie dem Menschen am gefährlichsten werden können. Wieder was dazugelernt! Mit Amadeus haben wir echt Glück gehabt. Ein ca. 30-40jähriger Afrikaner, mit vorn braun eingefärbten Zähnen, der früher auf den Kilimanjaro gestiegen ist und nun seit 10 Jahren Safari-Touren durchführt. Und das merkt man! Im Drängeln ist er hervorragend, schnell sieht er Tiere, kann uns die wichtigsten Fakten zu ihnen herunterrattern und hat das Auto stets unter Kontrolle.

Nach einem gemeinsamen Mittagspause, in der wir unsere Lunchbox zusammen mit den Zebras einnehmen durften geht es zurück. Gefühlt müssen wir durch halb Afrika. Ich hasse Rückfahrten. Aber mir fällt auf, wie viel näher wir uns alle gekommen sind – oder bilde ich mir das nur ein? Nach zwei Tagen in einem Auto habe ich weniger Hemmungen, weil ich mittlerweile schon die ein oder andere Schulter als Kopfkissen missbraucht habe. Auch die gemeinsamen Erlebnisse tragen ihren Teil dazu bei. Hunger bekomme ich tatsächlich auch mal wieder, was nach dem Fressmarathon der letzten Tage ein angenehm ungewohntes Gefühl ist. Mein inneres Bild von Afrika hat sich verändert. Die Häuser und Städte weisen einige Parallelen zu Indien auf. Am Straßenrand wird gelötet, Schüler kommen von der Schule und die von Coca-Cola und Vodacom gesponserten Läden machen ihre Geschäfte.

Afrika bin ich in den letzten zwei Tagen viel näher gekommen. Ich bin gespannt, was noch so auf mich zukommt…

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