MONTERREY

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Monterrey kam mir vor wie ein Fiebertraum. Mit einer fetten Grippe und ordentlich Medizin im Gepäck stieg ich an einem Samstagmorgen in den Flieger, um einen Freund in der Stadt im Norden Mexikos zu besuchen.

Erster Eindruck? Kalt, groß und teuer. Eine Industriestadt. Das fällt nicht nur an der schlechten Luft und dem ganzen Smog auf, sondern auch an den vielen Fabriken, die überall herum stehen. Die Stadt ist ganz anders aufgebaut als mein süßes Guadalajara, welches im Vergleich zu Monterrey und DF wie ein kleines Dörfchen wirkt. Monterrey ist im Vergleich zu anderen mexikanischen Städten aber nur so teuer, weil die Menschen hier auch das nötige Kleingeld haben. Durch die Stadt fahren viele teure Autos, es ist kaum Dreck zu sehen, die Menschen laufen sehr gepflegt herum, es gibt viele teure Geschäfte und Restaurants. Was mir jedoch am meisten auffällt ist, dass es kaum Obdachlose gibt. Es ist immer noch sehr schwer für mich an den halbverstümmelten Menschen auf der Straße einfach so vorbeizugehen, aber hier in Monterrey ist das nicht der Fall.

Die Stadt ist von hohen Bergen umgeben und hat einen künstlichen Fluss. Ein Viertel der Stadt liegt sogar in den Bergen und ist etwas erhöht. Mir gefällt die Atmosphäre von Bergen umgeben zu sein. Auch ist die Stadt berühmt dafür so sein zu wollen, wie die USA. Während sich der Rest Mexikos „gringolandia“ gegenüber offiziell abwendet, möchten die Menschen aus Monterrey so sein, wie die gringos. So weit zumindest das Vorurteil. Da ich noch nie in den USA war kann ich dies weder bestätigen noch belegen. Ich finde aber auch, dass die Stadt durch die hohen Häuser, großen Plätze, engere Straßen, die Geschäfte und Restaurants, wie auch den kolonialen Einfluss einen sehr modernen und auch leicht europäischen Eindruck macht.

Monterrey erinnert mich aber nicht nur an Europa, sondern auch an Hong Kong. Als wir am Montagvormittag zum Obispado und zur großen Flagge hochschlendern erinnert mich die Skyline mit den hohen Häusern in den Bergen und dem vielen Smog an die Stadt, die vor schon fast vier Jahren für 2 Monate mein Zuhause war.

Wie ich Chetumal im Januar die „verlassene Stadt“ getauft habe, taufe ich Monterrey nun „die Stadt der Langschläfer“. Für mich Frühaufsteher Etwas unvorstellbares, aber hier in Monterrey ist es wirklich extrem. Die Geschäfte öffnen im Durschnitt erst um 11 oder 12 und vorher ist auch niemand auf den Straßen anzutreffen. Ob es wegen dem kalten Wetter in der Früh ist, oder ob die Leute hier einfach nur gerne lange schlafen, weiß ich nicht. Mich hat es ehrlich gesagt ein bisschen genervt. Ni modo.

Trotz Smog und viel Industrie ist Monterrey eine wunderschöne Stadt, mit einem wunderschönen Park. Der Parque Fundidora ist ein Park, der mich an den Ruhrpott in good old germany erinnert. Viel grün, Plätze für Kinder zum Spielen, alte Industriehallen, die jetzt kreativ für Ausstellungen, Kino oder andere Events genutzt werden, Fahrräder zum Ausleihen und zwischendurch immer mal wieder ein altes Kraftwerk.

Am Sonntag werden wir spontan zu Tamales in die Berge eingeladen. Ein Träumchen. Das Haus, die Tamales, die Menschen und die Aussicht. Es ist unglaublich, was für Wochenendhäuser sich die Mexikaner teilweise leisten. Ich komme mir fast schon ein bisschen wie in Österreich oder Bayern vor, weil über dem Kamin in der Holzhütte ein ausgestopfter Ziegenbock hängt mit einem traditionellen Hut auf dem Kopf, auf dem „Salzburg“ steht.

Als wir am Abend zurück ins Zentrum fahren fällt mir auf, wie groß Monterrey doch ist. Die Stadt nimmt so viel Fläche ein, dass es in der Dunkelheit fast schon majestätisch aussieht von oben auf die Stadt hinunterzufahren.

Am Montagabend geht es zurück nach Guadalajara, während ich auf meinen Rückflug warte und meinen Kaffee bei Starbucks trinke, fällt mir auf, dass dieses Café ziemlich gut darin ist Backmischung Muffins und Eiswürfel zu Höchtpreisen zu verkaufen. Und das weltweit. Ein Wochenende in der “fresa-Stadt” schlecht weg, wo öffentliche Verkehrsmittel kaum genutzt werden und der Kaffe auch umgerechnet vier Euro kostet, hat mir gezeigt, dass ich all diese Dinge aber auch gar nicht brauche. Ich fahre gerne mit dem Bus, koche mir meinen Kaffee selber und sehe es als Abenteuer in einem haus zu leben, in dem es nur selten warmes Wasser oder genügend Geschirr gibt.

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IMPRESIONES MEXICANAS 2.0

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  • Busfahrer, die spontan an einem Taco-Stand anhalten um sich ihr Frühstück zu holen

Ich war nach einer langen Reise endlich auf dem Weg nach hause, als unser Busfahrer neben einem Taco-Stand anhielt, um sich etwas zu essen zu kaufen. Der Motor lief natürlich trotzdem weiter. Wozu auch abstellen, wenn man sich doch nur schnell für 10 Minuten ein paar Tacos holen möchte…

  • Salsa überall

Selbst im Bastelschrank. Ich glaube ein Leben ohne Salsa wäre für die Mexikaner nicht möglich. Aber womit sonst willst du die pappigen Tortillas auch essen. Nicht, dass sie nicht schmecken würden, aber an sich haben die halt wirklich keinen Geschmack. Die Salsa, egal ob rot oder grün, findest du eigentlich in jedem Haushalt und eben auch im Bastelschrank meiner Kollegin…

  • Cowboys in der Stadt

Ich glaube ich habe schon mal davon berichtet, aber letzten Freitag ist mir wieder so ein witziger Kauz begegnet. Ich saß im Bus auf dem Weg nach hause, als ein Mann, ausgestattet mit Hut, Jeans, Karohemd und fettem Gürtel auf seinem Pferd durch die Stadt ritt. Als wäre das allein nicht schon genug gewesen hatte er in seiner einen Hand noch lässig sein Smartphone.

  • Rasensprenkler selbst gemacht

Auch wenn es momentan viel regnet und das Wetter ziemlich beschissen sein kann, scheint die meiste Zeit ja die Sonne hier im wunderschönen Mexiko. Da muss natürlich auch mal der Rasen gesprenkelt werden. Richtige Rasensprenkler gibt es hier aber auch nicht. Also hier die Anleitung zum Selbermachen: Man nehme eine leere Wasserflasche sticht Löcher hinein und schließt einen Gartenschlauch an. Funktioniert super und ist hier in Mexiko auf fast jeder Grünfläche zu sehen.

 

 

ENERO 2018

Gesehen:

 Die Bahía von Chetumal, eine Bucht, an der wir einen langen Spaziergang gemacht haben. Chetumal ist offiziell die merkwürdigste Stadt, die ich je besucht habe. Die Hauptstadt eines sehr wichtigen Bundesstaates und selbst dort an den Hauptattraktionsstellen sind nur zwei bis drei Menschen anzutreffen.

Mexiko-Stadt von oben. Als ich aus dem Urlaub zurück nach hause gefahren bin, hatte ich einen Zwischenstopp in Mexiko-Stadt und war beim Landeanflug wieder einmal von der Größe dieser Stadt beeindruckt.

Seitdem ich alleine wohne bin ich auch dafür verantwortlich mich eigenständig um meine Wäsche zu kümmern. Als ich also an einem Sonntagvormittag zur „Lavanderia“ tingelte wurde ich dermaßen überrascht, dass ich fast vergaß, was ich dort eigentlich wollte. Frauen, die mit Koffern und Reisetaschen ankamen, Waschmaschinen die so alt waren, dass sie hin und her wackelten, während sie arbeiteten und Trockner, die noch mit Feuer arbeiten.

Außerdem habe ich das „Hospicio Cabañas“ hier in Guadalajara besucht, ein ehemaliges Waisenheim, in dem heute Kunst ausgestellt wird. Diese kommt von verschiedenen Künstlern Mexikos und drumherum. Genau so, wie es auch immer wieder Kulturveranstaltungen gibt. Ehrlich gesagt, haben mich die Ausstellungen gar nicht so sehr beeindruckt, was mich viel mehr interessiert hat, ist die Geschichte hinter dem unglaublich großen und schönen Gebäude, genauso, wie die wunderschönen Decken- und Wandgemälde von José Clemente Orozco.

 Gehört:

Peter Fox. Nach langer Zeit mal wieder. Wie ich darauf gekommen bin? Im Landeskundekurs ist es meine Aufgabe den Schülerinnen und Schülern die deutsche Kultur näherzubringen. Daher dachte ich mir ihnen neben den klassischen Dingen, wie Essen, Schulsystem und Geschichte auch mal etwas aus der Musik mitzubringen.

Polizeisirenen, Hundegebell, Kirchenglocken und das Klappern vom Geschirrabwasch. Anfang Januar bin ich aus der Vorstadt (Zapopan) ins Zentrum Guadalajaras gezogen, wo definitiv mehr los ist. Anstatt das Zwitschern der Vögel höre ich jetzt den Verkehr auf der Hauptstraße. Manche mögen das als negativ sehen, ich bin bis jetzt von dieser Veränderung aber sehr positiv überrascht. Ich bin jetzt mehr dabei, mitten drin und habe mehr Freiheiten.

Gelesen:

Seit ich im Zentrum wohne und mich selber um Sachen wie Frühstück und Co. kümmern muss, bin ich tatsächlich mal wieder dazu gekommen morgens in aller früh die Nachrichten zu überfliegen. Zum wirklichen Lesen der Kapitel ist es zwar bis jetzt noch nicht gekommen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. 

Gefühlt:

Das Jahr hat leider wieder mit Magenbeschwerden angefangen, was daran lag, dass wir alle zum Schluss unserer großen Reise etwas krank waren. Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie nervig es ist, krank zu sein. Du fühlst dich unfähig etwas zu machen, verfluchst deinen Lebensstil und fühlst dich einfach nur beschissen. Gerade im Urlaub…

Freiheit. Ich muss tatsächlich sagen, dass ich mit dem Umzug ordentlich was an Freiheit gewonnen habe. Ich bin selbstständiger und in meinen Handlungen nicht mehr so eingeschränkt, wie ich es noch war, als ich in der Familie gelebt habe.

Eine Mischung aus Glück und Unverständnis. Unverständnis der mexikanischen Kultur gegenüber, die einfach so widersprüchlich ist, dass mir die Worte fehlen, aber gleichzeitig kann ich mich über bestimmte Dinge gar nicht mehr ärgern und finde es einfach nur noch witzig. Und ich glaube genau das ist es auch, was mir das Glück herbeigeschafft hat, Dinge nicht zu ernst und eher mit Humor nehmen.

Gelernt:

  • Das Leben ist dir nichts schuldig. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass es doch jetzt endlich mal besser werden muss, weil es die letzte Zeit ziemlich beschissen gelaufen ist, ist einem das Leben immer noch nichts schuldig. Es wird nichts besser werden, solange du selber nichts änderst. Viele verfallen immer in den Irrglauben, dass sobald ein neues Jahr anfängt, dass dann alles besser wird, aber es wird sich nichts ändern, solange du selbst nichts änderst, die Dinge selbst in die Hand nimmst und deinen Arsch hochbekommst. Ich glaube viele Menschen vergessen das manchmal.
  • Freunde sind wie wertvolle Diamanten, die man nicht mal eben so an der Straßenecke findet. Freundschaft bedeutet auch Arbeit und Mühe. Wenn du im Ausland lebst merkst du auf einmal, was wirkliche Freundschaft ist, es ist schwierig in/für ein Jahr wirklich echte Freunde zu finden. Man lebt eher in einem Bekanntenkreis. Es ist nicht schwer neue Leute kennenzulernen. Ganz im Gegenteil, ich würde eher sagen, dass dies im Ausland einfacher ist. Mit Freunden ist das aber eine etwas andere Sache, weil es letztendlich doch nur ein „Leben auf Zeit ist“ und sowohl dir selber als auch den anderen klar ist, dass du in absehbarer Zeit wieder weg ist. Es ist schwer das zu ignorieren.
  • Es kann verdammt schwer sein im Ausland zu leben. Weit weg von der Familie, den Freunden und dem Vertrauten. Diesen Monat ist mir das noch mal klar geworden. In Notsituationen wird einem das immer noch mal deutlicher. Man kann für die Personen einfach nicht so da sein, wie man es eigentlich möchte. Man ist nicht da, um sie in den Arm nehmen zu können, ihnen etwas zu bringen, sie zu versorgen oder ihnen einfach nur Beistand zu leisten. Gleichzeitig ist man ja selber die Person, die sich ins Ausland verzogen hat.
  • Dabei ist mir aufgefallen, dass Menschen eigentlich nur aus zweierlei Gründen ins Ausland gehen, die sich natürlich auch verbinden lassen. Entweder fliehen sie, oder sie suchen etwas.
  • Winter existiert auch in Mexiko. Als ich im September meine Koffer gepackt habe, dachte ich offensichtlich nicht daran eine Winterjacke einzupacken. Auf der Liste standen kurze Hosen, Tops und Kleider. Mittlerweile verfluche ich mich dafür, dass ich nicht noch mehr warme Sachen eingepackt habe. Denn wenn ich morgens aufstehe, haben wir angenehme 6Grad, wenn die Sonne dann gegen Mittag herauskommt, kann es schon mal so an die 25-27 Grad werden. Bleibt es jedoch bewölkt, bleiben wir bei eher unangenehmen 14Grad. Klar, ihr da drüben habt es wahrscheinlich noch kälter erwischt, was aber zu Deutschland unterschiedlich ist, ist die Trockenheit. Dadurch, dass es hier so trocken ist, fühlt sich die Kälte gleich 10mal kälter an. Wir hatten zwar jetzt die Woche ein bisschen Regen, die sogenannten „Cabuñuelos“, die im Januar/ Februar ab und zu vorkommen, aber das Wetter momentan ist einfach nur unangenehm. Hinzu kommt nämlich, dass es in Mexiko keine Heizungen gibt und alle Häuser auf Sommer ausgelegt sind. Sprich, so wirklich warm, wird dir hier einfach nie.

 

 

 

IMPRESIONES MEXICANAS

sdr

Hier ein paar Dinge, die mir in meinem Alltag so aufgefallen sind:

  • Kurse zum Handyreparieren im Bus:

Je öfter ich diese Schilder im Bus auf dem Weg nach hause entdeckt hatte, desto öfter habe ich mich gefragt, wozu dieser Kurs eigentlich gut sein soll. Nach dem ein oder anderen Nachhaken bei Kollegen oder Freunden finde ich heraus, dass diese Kurse dazu da sind um Jobs zu schaffen. Immer mehr Mexikaner haben ein Smartphone, wenn nicht sogar zwei. Da diese gerne mal nicht funktionieren oder der Display zerspringt sind Reparaturen dementsprechend häufig gefragt. Absolvierst du einen Reparaturkurs, wie er dir im Bus angeboten wird, so kannst du dir ein eigenes kleines Business aufbauen und Geld verdienen.

  • WhatsApp Nummern auf Anzeigen:

Nicht nur auf den Anzeigen im Bus sondern generell auf allen Anzeigen hier in Mexiko werden konkret WhatsApp Nummern als Kontakt angegeben. Ob bei der Wohnungssuche, dem Friseur- oder Arztbesuch, alles wird hier per WhatsApp geregelt.

Für mich ist die Vorstellung meinen Arzt per WhatsApp nach einem Termin zu fragen auch nach drei Monaten noch ein bisschen absurd.

  • Wintermäntel neben kurzem T-Shirt im Tren Ligero:

Immer mehr nutze ich den Tren Ligero, neben den Bussen das einzige öffentliche Verkehrsmittel hier in Guadalajara. Dabei fallen mir auch immer mehr seltsame Sachen auf. So stand ich vor kurzem im kurzen T-Shirt neben einem Mann, der bei 22Grad Celsius eine dicke Winterjacke trug.

Ich gebe zu, dass das Wetter hier absurd ist. Morgens haben wir so zwischen 5 und 10Grad Celsius. Jedoch wird es ab 11 Uhr richtig warm, so dass wir dann locker bis an die 25 kommen. Ein Wetter zum Verrücktwerden. Da vermisse ich doch tatsächlich mein Hamburger Schietwedder.

  • Deutsche/ Europäer waschen sich im Winter nicht:

Das ist ein zentral/lateinamerikanisches Vorurteil, gegenüber uns Europäern und ja, ich musste auch lachen, als ich das erste mal davon gehört habe. Aber anscheinend glauben tatsächlich einige auf diesem Kontinent, dass die Duschen in Europa während des Winters still stehen.

  • „No tirar basura“- Schilder am Straßenrand:

Ja, die Sache mit dem Müll. „No tirar basura“ heißt übersetzt in etwa „Bitte schmeißen sie hier keinen Müll weg“ und warum man das extra an den Straßenrand schreiben muss, weiß ich auch nicht. Aber in Mexiko gibt es eben keine öffentlichen Mülleimer (zumindest nur sehr sehr wenige). Eine offizielle Mülltrennung wurde auch noch nicht eingeführt und nur in der Hauptstadt wird in der Metro gelernt, wie man den Müll „richtig“ trennt. Was „richtig“ und was „falsch“ ist, ist ja sowieso immer so eine Sache. Aber hier wird nach „organisch“ und „nicht organisch“ oder „recycle bar“ oder „nicht recycle bar“ sortiert. Und schlussendlich landet doch alles in einer Tonne.

 

3 WOCHEN WEG

Im Dezember/ Januar war ich für drei Wochen mit Freunden auf der Halbinsel Yucatan unterwegs habe Weihnachten in Yucatan und Sylvester in Quintana Roo verbracht. Ich wusste lange nicht, wie ich euch von dieser großen Reise erzählen sollte, aber am besten ist es wahrscheinlich, wenn ich einfach von vorne anfange:

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Ich steige aus dem Flugzeug und direkt schlägt mir die warmfeuchte Luft entgegen. Am liebsten möchte ich direkt meinen Pulli und meine Jacke von mir werfen, die ich noch aus Guadalajara mitgebracht habe, aber zuerst muss ich noch vorbei an der Kofferausgabe, den Kontrollen und Taxiständen. Kaum eine viertel Stunde später sitze ich im Bus auf dem Weg ins Zentrum Méridas. Mérida ist die Hauptstadt Yucatáns einem weiteren Bundesstaat Mexikos. Mérida wird auch „die weiße Stadt“ genannt, wobei mir davon bis jetzt noch nicht so viel aufgefallen ist. Eher im Gegenteil. Mérida ist bunt, laut, heruntergekommen. An jeder Ecke stinkt es nach fettigen Tacoständen. Die Straßen sind so eng, dass der Bus kaum hindurch passt. Menschen überall, dabei ist es doch erst neun Uhr morgens. An jeder Straßenecke liegt Müll, in dem die Straßenhunde und –katzen herumwühlen. Mein erster Eindruck von Mérida ist enttäuschend. Ich hatte mir mehr versprochen von dieser Stadt. Jedoch heißt sie auch nur „die weiße Stadt“, weil die traditionellen Gewänder weiß sind und die Steine aus denen das Zentrum aufgebaut wurde innen weiß sind. Zu den Steinen gibt es noch eine weitere Geschichte. Mérida gibt es nämlich schon etwas länger. Jedoch hieß diese Stadt bevor die Spanier kamen T’Ho und wurde von den Maya bewohnt. Mit der Kolonialisierung mussten die Maya ihre eigenen Pyramiden zerstören und aus diesen Steinen eine neue Stadt, das heutige Mérida, erbauen. Eine traurige Geschichte.

Nachdem ich im Hostel eingecheckt und meine Betten bezogen habe, schaue ich mir die Stadt ein bisschen genauer an. Ich sitze auf dem Hauptplatz und beobachte die Menschen. Sie sind kleiner, dunkler und ihre Gesichtsformen sind ursprünglicher, sehen nicht ganz so europäisch aus. Neben mir auf der Bank sitzt eine junge Frau mit ihrer Mutter und verkauft irgendein Öl in kleinen Fläschchen an Frauen, die vorbeikommen. Sie nennen kurz ihren Namen, die Verkäuferin checkt ihre Liste, die Frauen bezahlen und verschwinden wieder. Eine komische Stadt.

Noch komischer wird es als ich Richtung Norden bummle. Die Straßen sind hier nach Nummern eingeteilt. Von Osten nach Westen und von Norden nach Süden steigern sich die Zahlen. Aber sobald ich den Hauptplatz Richtung Norden verlasse ist es, als sei ich in einer anderen Stadt. Auf einmal sind die Straßen breiter, sauberer und leerer. Ein Restaurant reiht sich ans andere und Tacostände sind erst recht nicht mehr zu sehen. Diese Stadt hat in gewisser Weise zwei Gesichter. Es ist als sei der Teil südlich des Hauptplatzes der mexikanischen Masse gewidmet, dort ist es dreckig, voll und das Leben tobt. Nördlich ist es ruhig, es gibt viele schöne Restaurants, Hotels und Touristenläden.

Meinen ersten Abend verbringe ich mit einer Französin, die ich im Hostel kennengelernt habe auf einer Mauer vor der großen Kathedrale und schaue mir eine Projektion an, die auf die uralten Mauern des heiligen Gebäudes gestrahlt werden.

Irgendwie verzaubert mich Mérida. Kulturell hat es total viel zu bieten. An den Abenden besuche ich Tanzveranstaltungen, sehe zu, wie die Mexikaner ihre Tabletts mit Wassergläsern auf dem Köpfen umherbalancieren, werde selber zum Salsa aufgefordert und lerne unglaublich viele neue Menschen kennen. Gleichzeitig verliebe ich mich auch in das Hostelleben. Es ist ein bisschen wie das Hüttenleben in den Bergen, nur auf weniger Höhenmetern. Du bist nicht so isoliert, wie in einem Hotel und kannst dich trotzdem zurückziehen, wann immer du willst.

Nach einer Woche Mérida fällt mir auf, dass diese Stadt symbolisch für das Dasein Mexikos stehen könnte. Eine unglaubliche Hochkultur, überrollt und zerstört von den Kolonialisten. Zu Schmerz gezwungen und aus ihrer eigenen Kultur vertrieben. Heute leben die Menschen in Zwiespälten. Zum einen im Zwiespalt zwischen zwei Kulturen. Der indigenen Kultur der Maya, denn das Erbe ist trotz all der Zerstörung reich und der Kultur der Spanier, die Sprache, das Essen, viele Verhaltensweisen. Heute ist Mexiko mehr gespalten denn je. Die Unterschiede in der Gesellschaft, arm, reich, dunkel, weiß, indigen, spanisch, ungebildet, gebildet, Süden und Norden.

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Nächster Stop ist Chicxulub, ein kleines Dörfchen nahe Porto Progreso am mexikanischen Golf. Für vier Tage haben wir uns hier ein kleines Häuschen gemietet um Weihnachten zu feiern. Wir kommen an und sind begeistert, holen die Badesachen aus den Koffern und starten eine kleine Poolparty. Auch wenn wir im Dunkeln an einem Freitagabend ankommen, kaum etwas sehen und die Mücken uns herzlich willkommen heißen, genießen wir den Tequila, den uns unsere Vermieterin zur Begrüßung auf den Tisch gestellt hat und machen alle nacheinander eine Arschbombe in den Pool.

Am nächsten Morgen ist allerdings nichts mit ausschlafen. Um Punkt 7:00Uhr geht es zurück nach Mérida um von dort aus eine ganz klassische Touritour nach Chichen Itza und Co mitzumachen. Im Bus wird natürlich von unseren Mitfahrern erst einmal lautstark der Instagram Account gecheckt, keine angenehme Athmosphäre so früh morgens. Gleichzeitig kommen Heimatgefühle auf, als ich an den sehr wohl bekannten „Hamburg-Süd Containern“ vorbeifahre, die ständigen Begleiter meiner Reisen.

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Der erste Stop der Touritour ist das „pueblo mágico“ „Izamal“, das besondere an diesem Örtchen ist, dass das gesamte Zentrum gelb ist. Jedes Haus, jede Straßenlampen, Mülleimer und der Markt, alles gelb. Warum weiß man auch nicht so genau. Es gibt die Theorie, dass die Augustinermönche, die damals nach Izamal kamen, die gelbe Farbe dort fanden und beschlossen die ganze Stadt in gelb zu gestalten.

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Weiter geht es zu einer geschlossenen und einer offenen Cenote. „Cenontes“ sind die in Yucatan berühmten „Seen“, die es in offener, halboffener und geschlossener Form gibt. Auf der ganzen Halbinsel gibt es nämlich keine Flüsse und Seen, wie wir sie normalerweise kennen. Durch den Meteoriteneinschlag im Golf von Mexiko, hat sich auf der Halbinsel ein unterirdisches System von Flüssen und Seen gebildet. Teilweise sind diese Systeme eingestürzt und dadurch, die offenen und halboffenen Cenotes entstanden. Als ich ins eiskalte Wasser der ersten Cenote eintauche, fällt mir nach den ersten zwei Zügen auf, dass es viel schwieriger ist in diesem Wasser zu schwimmen. Es ist salzarm und enthält viele Mineralien, die es einem erschweren sich über Wasser zu halten. Generell finde ich es unheimlich in dieser Grotte zu schwimmen. Die Schatten der Stalaktiten und Stalakmiten erwecken den Eindruck, dass irgendetwas im Wasser ist, was da nicht hingehört.

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Chichen Itza entpuppt sich als ein Shoppingparadies, ein Ort, an dem du dein Geld los wirst, eine moderne Kaufmeile innerhalb der ehemaligen Maya-Stadt. Gegen halb fünf steht die Sonne so magisch, dass wir selbst von den paar übrig gebliebenen Ruinen verzaubert werden. Ich stelle mir vor, wie die Stadt aussah, als sie noch belebt und nicht nur besucht wurde, wie die Häuser aussahen und der Alltag ablief. Für mich ist es immer noch unvorstellbar, dass hier einmal eine Kultur gelebt hat, die der unseren so fremd ist, wie sonst kaum etwas.

Unser letzter Stop ist Valladolid, ein weiteres „pueblo mágico“, dass mich mit seinem Kolonialcharme verzaubert. Alte gut erhaltene Häuser und eine ähnliche Abenstimmung, wie man sie aus Europa kennt. Gleichzeitig fallen mir hier so viele Dinge auf, die anders sind, als in Deutschland. Leben tut man hier auf der Straße, nicht so, wie ihr jetzt denkt, aber die Häuser sind einfach so offen gebaut, dass ich wenn ich durch die Straßen gehe, direkt ins Wohnzimmer oder auf den Essenstisch der Leute schauen kann. An dieser Stelle fällt mir wieder der typisch mexikanische Spruch ein „Mi casa es tu casa, pero mi hamaca es mi hamaca“ (Mein Haus, ist dein Haus, aber meine Hängematte ist meine Hängematte). So offen sie doch alle sind die Mexikaner, wenn es um bestimmte Sachen geht, sind sie doch sehr verschlossen. Warum Hängematte? In Yucatan ist es üblich nicht in Betten, sondern in Hängematten zu schlafen. Teilweise sind sie so groß, dass ganze Familien in ihnen schlafen und um ehrlich zu sein, kann ich diesen Kult sogar sehr gut nachvollziehen. Unser kleines Häuschen in Chicxulub hat auch eine Hängematte und ist eigentlich 24/7 von einem von uns belegt. Auf der Rückfahrt ist es dann nicht der lautstarke Instagram Account, sondern ein unglaublich bescheuerter Tom Cruise Film der uns alle wach hält…ich glaube ich werde mich nie mit solchen Touritouren anfreunden.

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Am nächsten Tag ist Heiligabend. So richtig glauben kann ich das eigentlich nicht, bei 30Grad zu Frank Sinatra durch einen Piñatawald zu laufen ist nicht so ganz das Weihnachten, was ich kenne. Gegen Mittag fahren wir nach Progreso rein um für unser Festessen einzukaufen. Sah unser Kühlschrank vorher noch aus, wie ein typischer Studentenkühlschrank. Gefüllt, mit nichts weiter als Tequila, einer Mische, Yoghurt und Toast, sieht er jetzt aus wie das reinste Paradies. Gefüllt mit jeder Menge Obst und Gemüse vom Markt, Eiern, Milch, Saft, Brot, Schokolade und vielem mehr. So schön unser Weihnachten auch ist, mit Essen, Wichteln und Weihnachtsfilmen, es ist nicht das gleiche. In irgendeiner Weise fällt Weihnachten dieses Jahr aus.

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Über Chicxulub selbst gibt es nicht viel zu berichten. Die uns verbleibenden Tage verbringen wir damit am Strand entlang zu laufen und gar nichts zu machen. Chicxulub ist ein kleines Fischerdörfchen, Touristen gibt es hier eher kaum bis gar nicht, weshalb wir auf den Straßen nur umso mehr auffallen.

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Am zweiten Weihnachtsfeiertag geht es weiter. Von Mérida aus fahren wir nach Cancún. Stundenlang geht es durch die ewig grüne Landschaft. Wirklich abwechslungsreich ist die hier in Yucatán nicht. Am Abend sitzen wir auf dem Balkon, unseres neuen Appartements auf der Isla Mujeres. Die ist ca. 30 Minuten mit dem Boot von Cancún entfernt und war mal ein Naturparadies, heute gleicht es eher einem Touristenparadies. Gringos, die mit ihren Golfcars über die Insel sausen und reiche Mexikanerinnen, die auf ihrer gemieteten Yacht so laut Party machen dass der ganze Strand mithört. Trotzdem hat die Insel etwas. Denkt man sich die ganzen Leute weg, sieht man den weißen Strand, blauen Himmel und das intensive Grün der Palmen. Ich liebe unsere Abende auf dem Balkon, der gleichzeitig auch eine Küche ist. Unter Palmenblättern kochen wir im Halbdunkeln, es gibt Nudeln mit Tomatensoße und Gemüse. Hören Mariachi Musik und trinken Tequila und Cerveza.

Aber auch die Insel verlassen wir nach einigen Tagen wieder. Nur um an den mexikanischen Ballermann zu fahren. Der heißt hier Playa del Carmen und ist nicht weit von Cancún entfernt. Auf dem Weg dorthin sehe ich ein Schild mit der Aufschrift „Xochimilco“. Dabei ist Xochimilco doch eigentlich ein Stadtteil in Mexiko-Stadt?! Allein, dies deutet schon an, in welch ein Touristenparadies wir hier fahren. Da haben sie tatsächlich die Attraktion „Xochimilco“ aus DF, für die Touristen hier in Quintana Roo nachgebaut, verrückt.

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In Playa del Carmen angekommen bummeln wir ein bisschen durch die Stadt, ich unterhalte mich mit einem Verkäufer über die unglaublich hohen Preise und er erklärt mir, dass sie diese aufgrund der hohen Mieten gar nicht günstiger machen können. Ich komme mir tatsächlich ein bisschen vor wie auf Mallorca, nicht nur von den Preisen her. Die Straßen, der Umgang mit den Touristen, das viele Englisch. Auf einmal ist es wieder einfach sich zu verhalten. Man muss nicht aufpassen in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten, man wird nicht mehr komisch von der Seite angeschaut, nur weil man „weiß“ ist. Auf irgendeine Art und Weise total entspannt. Woran ich mich jedoch nicht gewöhnen kann sind die vielen Mixrestaurants. Während wir in Europa größtenteils „einseitige“ Restaurants haben, sprich entweder einen Italiener, Griechen oder Mexikaner, mixen sie hier alles. So bietet der Mexikaner eben auch Pizza, Pasta und Gyros an Mittlerweile habe ich auch total vergessen, welcher Tag eigentlich ist, Urlaub eben.

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An unserem zweiten Tag in Playa del Carmen leiht sich ein Teil von uns Fahrräder aus. Ja, a veces ist es nicht einfach mit fünf Mädchen zu reisen. Unstimmigkeiten und Reibungen sind da eben vorprogrammiert. Wir fahren an der Hauptstraße entlang zu einem etwas weiter entfernten Strand, essen Falafel und lassen es uns gut gehen. Als wir am Abend ein bisschen weiter hinaus fahren entdecken wir noch ganz andere Ecken von Playa del Carmen, Bezirke, die der Hafencity in Hamburg gleichen. Viele hohe Häuser, Neubauten und alles sehr teuer. Zum Abschluss dieses Tages gönnen wir uns ein 5€- Eis und beobachten die Jetski Fahrer bei ihren Stunts am Strand.

Playa del Carmen überzeugt mich zwar nicht zum Urlaubmachen, ist aber einfach mal entspannt gewesen. Nicht die ganze Zeit darauf zu achten sich wie eine reiche Europäerin zu benehmen. Es kann nämlich durchaus anstrengend sein der Unterschied zu dem Mexikanern. Ja, wahrscheinlich haben wir mehr Geld im Monat zur Verfügung als ein Großteil der Mexikaner, dennoch leben wir hier auch nur als Freiwillige und haben nicht unbegrenzt Geld zur Verfügung. Dies den Leuten aber erst einmal verständlich zu machen ist oft aufwendig, anstrengend und ohne Erfolg.

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Tulum ein paar Tage später jedoch überzeugt mich schon mehr. Die Kombination aus Ruinen am Strand, weißer Sand, türkis farbenes Wasser und das intensive Grün der Pflanzen verzaubern mich. Auch verlaufen sich die Menschen hier am Strand mehr. Man hat nicht mehr das Gefühl wie Sardinen in einer Büxe am Strand zu liegen. Tulums Ruinen sind die Überreste einer einst sehr reichen Hafenstadt. Die handelsgute Lage hat der ehemaligen Maya-Stadt viel Reichtum gebracht.

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Dann ist auf einmal Sylvester, auf einmal ist das Jahr um und ich kann es gar nicht glauben. Erschlagen wache ich am ersten Tag des neues Jahres in einem Hostel in Tulum auf und frage mich, was genau gestern Nacht passiert es. Für die meisten meiner Freunde war es das erste Sylvester am Strand. Für mich zwar nicht, dafür aber nicht weniger besonders. Noch nie hatte ich den weißen, weichen, warmen Sand zwischen meinen Füßen, der frische Wind, das Geräusch der im Wind wehenden Palmen und das helle Licht des fast vollen Mondes. Es war magisch. Das einzige, was fehlte: das Feuerwerk, mein erstes Sylvester, ohne bunte Lichter.

Unser erster Januar verläuft dann eher weniger magisch. Gegen 10Uhr steigen wir in den Bus nach Chetumal ein, wo wir von leeren Straßen und Regen empfangen werden. Ich muss ehrlich sein, dass ich diesen Regen tatsächlich vermisste hatte. Mit diesem „Schiedwedder“ kommen erneut Heimatgefühle auf. Unsere Aufregung über dieses überraschend angenehme Ereignis und unser kleiner Regentanz hat dann leider zur Folge, dass wir am nächsten Tag alle etwas kränkeln. Aber im Endeffekt nicht so schlimm. Chetumal taufe ich nach 2 Tagen offiziell zur „ausgestorbenen Stadt“, die Straßen sind auch an „Nicht-Feiertagen“ wie ausgestorben, es gibt ein Museum über die Maya und eine „Bahía“, eine Bucht, die außer uns auch noch niemand erkundet hat. Diese Stadt vermittelt auf irgendeine Weise das Gefühl, sich in einem Western zu befinden. Die verschlossenen Fensterklappen der Holzhütten, die leeren Straßen und die Wolken am Himmel erwecken einen unheimlichen Eindruck.

Tja, und dann sind meine drei Wochen Urlaub auch schon wieder vorbei. Was mir am besten gefallen hat? Ich kann es nicht sagen. Mérida? Tulum? Die Pyramiden? Die offene Cenote? Viel gesehen, viel erlebt, viel gelernt, viel Spaß gehabt. Eine Reise aus der man vielleicht mehr hätte machen können, aber hier in Mexiko kann man einfach so viel sehen und so viel machen, dass man irgendwo eben Prioritäten setzten muss. Gespannt und aufgeregt steige ich, wie an meinem ersten Tag in das Flugzeug nach hause ein, denn die Reise ist noch lange nicht zu Ende…

DICIEMBRE 2017

Feliz año nuevo! Here we go again. Neues Jahr, neues Glück. Diese drei Sätze könnten meine letzten drei Wochen eigentlich schon ganz gut zusammenfassen. Ein einziges Chaos zwischen Spanisch, Englisch und Deutsch. Aber vielleicht fangen wir erst mal damit an den Dezember Revue passieren zu lassen, bevor es an die große Reise geht:

Gesehen:

 Die wunderschönen Gassen und Straßen von Ajijic, den Chapala See und wunderschöne mexikanische Landschaft. Dieses erste Dezemberwochenende habe ich tatsächlich sehr positiv in Erinnerung, auch wenn es schon ewig weit weg erscheint.

Den Tiangis. Dies ist ein typisch mexikanischer Wochenmarkt, das Wort stammt aus der indigenen Sprache, dem „Nahuatl“. Wie unsere Wochenmärkte in Europa findet auch der „Tiangis“ mehrmals die Woche vormittags an verschiedenen Orten statt. Bekommen tust du dort eigentlich alles. Von Fisch über Obst und Gemüse bis hin zu Süßigkeiten ist an Lebensmitteln eigentlich alles dabei. Klamottenstände gibt es auch, genauso wie Stände an denen du kopierte CD’s und DVD’s kaufen kannst. Am witzigsten fand ich jedoch den Stand, der Seife verkaufte. Und zwar so, wie wir es in Deutschland kennen, sondern flüssige Seife aus großen Bottichen. Es gibt unglaublich viele Sorten, Farben und Konsistenten. Für uns durfte es dann ein Liter Rosenseife werden, die mit einer Suppenkelle in eine Plastiktüte gegossen wurde.

Außerdem habe ich unglaublich viele Ruinen gesehen. Von Chichen Itzá über kleine versteckte Pyramiden in Yucatáns Landschaft, bis hin zu Tulum.

Türkises Wasser, weiße Strände, das intensive Grün der Palmen und Pflanzen, die Karibik war traumhaft.

Jede Menge verrückte Sachen, die ich später noch genauer erklären werde.

Gehört:

 Viele viele Weihnachtslieder. Sowohl auf Deutsch als auch auf Spanisch.

Da ich teilweise in einem deutschen Kindergarten arbeite bin ich auch zu dem Vergnügen gekommen die neuen Kinderlieder zu hören und war auf einmal froh, dass meine „Schüler“ zum Großteil kein Deutsch verstehen, weil die Texte absolut verrückt sind. Wie z.B. „Der Weihnachtsmann, das ist doch eigentlich der Papa“ oder „Heyho Weihnachtsmann, pack mal die Geschenke aus, sonst kannst du nach hause gehen“. Da bevorzuge ich doch eher Rolf Zukowski und seine „Weihnachtsbäckerei“. Ich meine wie kommt man denn darauf den Kindern in dem Alter von 4 Jahren die Illusion vom Weihnachtsmann zu nehmen oder ein Bild von Weihnachten zu vermitteln, bei dem es nur um die Geschenke geht?!

Das Meeresrauschen, das Hupen der Motorräder. Um ehrlich zu sein ist mir diesen Monat gar kein Geräusch richtig in Erinnerung geblieben.

Gelesen:

„Ich hätte es vorgezogen zu leben“ ein Roman von Thierry Cohen, den mir meine Mutter im Paket geschickt hat. Ein sehr kurzer Roman (ein bisschen über 200 Seiten), der sich mit dem Gedanken der Selbstmordes beschäftigt und die Geschichte von Jeremy erzählt. Dieser bringt sich an seinem 20. Geburtstag aus Liebe zu seiner besten Freundin um und wacht dann an seinem Geburtstag (seinem Todestag) immer wieder auf und sieht, wie „er“ sein Leben in den Sand setzt.

Der Schreibziel hat mir nicht wirklich gefallen und die Geschichte war auch sehr kurz gefasst, ist also nicht unbedingt weiterzuempfehlen.

Gefühlt:

Am Anfang des Monats ging es mir wieder sehr schlecht. Ich war oft krank und hatte wieder unglaublich viele Magenprobleme. Auf der Suche nach den Ursachen bin ich vorbei an den ganzen Weihnachtsplätzchen auf die Ernährung gestoßen, die hier eine absolute Katastrophe ist…

„Heimweh“ würde ich es nicht nennen, aber wenn es dir schlecht geht befindest du dich automatisch in einer sehr melancholischen Phase, hinzu kommt die Weihnachtsstimmung und zack fragst du dich, ob du nicht ein bisschen zu viel vermisst. Es sind so Kleinigkeiten, das Klima, Bäckereien (Brezel und Laugengebäck!!!), das Fahrrad, die Freunde und Familie. Immer wieder fallen mir Dinge im Alltag auf, die es hier einfach nicht gibt. Gleichzeitig lernt man aber auch die Dinge mehr wertzuschätzen und wird kreativ, wenn es um Alternativen geht.

Um Weihnachen herum war ich hin und her gerissen. Auf der einen Seite habe ich meine Familie natürlich vermisst, wie sonst was und wäre gerne bei ihr gewesen um mit ihr zusammen zu feiern. Auf der anderen Seite hätte ich keine schöneren ersten Weihnachten fern von zuhause haben können. Es war einfach perfekt!

Die Reise hat mir unglaublich gut getan, ich habe mich freier gefühlt und es genossen endlich wieder frischen Wind auf der Haut zu spüren.

Gelernt:

  • Unser Lebensstil hat einen enormen Einfluss auf unseren Körper. Allein durch Ernährung können wir unseren Körper so gezielt steuern, unsere Gesundheit und unser Energielevel beeinflussen.
  • Unser Lebensstil hat aber nicht nur Einfluss auf unseren Körper, sondern auch auf unser Umfeld, die Industrie und somit auch auf die Erde. Es ist unglaublich, was alles passieren muss, damit unser Essen auf dem Tisch steht. Dass die Natur unglaublich darunter leidet ist glaube ich nur den wenigsten bewusst.
  • Auf der Halbinsel Yucatán gibt es keine Flüsse oberhalb, sondern nur „ríos subterranos“ und „cenotes“ (offen, halboffen, geschlossen). Dies ist auf den Meteoriteneinschlag im Golf von Mexiko zurückzuführen.
  • „Marquesitas“ (Waffelartiger Snack aus Yucatán) können gut und schlecht schmecken. Je nachdem wie man sie isst, ob mit Nutella und Banane oder mit Nutella und Käse

A GRINGOS PARADISE

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Nachdem uns Las Manzanas so gut gefallen hatte, wollten meine Freundin und ich weitere magische Orte in Mexiko finden. Dieses Mal aber näher an Guadalajara. Besser und schneller zu erreichen. Da wir uns außerdem nach Wasser sehnten, mieteten wir uns für eine Nacht in ein kleines AirBnB in Ajijic am Chapala See ein.

Faul wie wir waren ließen wir uns mit einem Uber hinfahren, bereuten es aber direkt wieder als wir die Rechnung bekamen…nächstes Mal sind wir schlauer. Von Guadalajara aus braucht man ca. eine Stunde mit dem Auto zum See. Der Chapala See ist der größte See Mexikos und an einigen Stellen schon eine Touristenattraktion. Schon an meinem ersten Wochenende in Mexiko besuchte ich die gleichnamige Stadt am See, war aber nicht so begeistert wie von Ajijic. Ajijic liegt ein bisschen weiter westlich und ist etwas kleiner. Das Zentrum bietet einen kleinen Platz mit Spielgeräten (wie auf einer Kirmes) und einigen Essensständen. Drumherum sind viele kleine Gassen mit Häusern, Läden und Unterkünften. Die Häuser sind bunt und gut gepflegt.

Es hat nicht lange gedauert, bis und die ersten „gringos“ (mexikanischer leicht abwertender Ausdruck für US-Amerikaner) mit ihrer Yoga-Matte unter dem Arm über den Weg liefen. Schnell viel uns auf, dass die meisten Restaurants ihre Karten und Schilder auf Englisch hatten. Ich vermute mal, dass viele der gut gepflegten Häuser US-Amerikanern gehörten. Trotzdem gefiel uns Ajijic, denn mal abgesehen von der blondgefärbten Omi, die mit ihrem Golf-Car durch die Gassen düst ist doch alles noch sehr mexikanisch. Schnick-Schnack Stände am Straßenrand, Verkäufer, die uns ihre Ware andrehen wollen und der Geruch von Tacos in der Luft. Dennoch ist es hier etwas anders. Die Straßen sind sauber, alles ist gepflegt, der Walmart nicht weit und gesperrte Straßen für mehr Platz für die Restaurants habe ich bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht gesehen.

Am Abend aßen wir in einem veganen Restaurant, das wir bei unserer Erkundungstour etwas weiter abseits gefunden hatten. Wir waren die einzigen Gäste und wurden super herzlich empfangen, persönlich beraten und über das Essen, die Herstellung und die Zutaten aufgeklärt. Die Tante stand in der Küche, während der Neffe bediente und der Opa uns unterhielt. Tatsächlich habe ich lange nicht mehr so lecker gegessen. Stundenlang saßen wir da, aßen, tranken und redeten.

Am nächsten Morgen ging es noch mal an die Promenade, Skater beobachten und mit der Familie telefonieren. Hier und in Puerto Vallarta wird deutlich, dass Mexiko für viele US-Amerikaner ein schnelles Urlaubsziel ist. In gewisser Weise „nehmen“ sie sich diesen Ort und gestalten ihn so um, dass er ihnen gefällt, machen ihn zu einem sichereren Ort, einer Ruheoase. Mir hat es gut getan/ gefallen. Aber dies ist nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen der USA und Mexiko. Viel zu oft vergesse ich, dass ich tatsächlich in Nordamerika bin und nur der Süden Mexikos zu Zentralamerika gehört.

Trotzdem nahmen wir auf dem Rückweg nicht wie der Rest der Touristen ein Auto oder Uber, sondern wählten die billigere Variante, den Bus. Nach gerade mal 1,5h waren wir wieder in Guadalajara. Ein schöner kleiner Wochenendausflug in eine Oase.

TEMATZCAL

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So ganz genau weiß ich auch nicht, wie ich hier von erzählen soll. Wahrscheinlich weil ich auf der einen Seite unglaublich viel Respekt vor diesem Ritual habe, von dem ich jetzt berichten werde, aber es einfach nicht den Effekt auf mich hatte, den es eigentlich hätte haben sollen.

Ein Tematzcal ist ein spirituelles Ritual, welches von den Ureinwohnern Mexikos stammt. Es steht sinnlich für eine Wieder- oder Neugeburt des Menschen und soll vor allem einen heilenden Effekt haben. Apulinar erzählte uns, dass er immer zum Tematzcal gehe, wenn es ihm schlecht gehe oder ihn etwas belastet.

Ein Tematzcal lässt sich vielleicht noch am ehesten mit einer Sauna vergleichen und findet in einem kleinen runden, aus Stein gebautem, Häuschen statt. Für mich hatte es eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Steinofen, aber das ist wahrscheinlich ein schlechter Vergleich. In der Mitte dieses Häuschens befindet sich ein Loch, das für den Erdkern steht. In dieses Loch werden heiße Steine gelegt, die vorher im offenen Feuer aufgewärmt wurden. Die Teilnehmer des Tematzcal setzten sich im Kreis um das Loch auf den Steinboden. Dann werden die ersten heißen Steine hinzugefügt, mit Kräuterwasser übergossen und es wird warm. Zum Beginn dazu gehört es, sich mit warmen Aloe Vera Blättern einzureiben. Stellen, die einem wehtun, wo man verspannt ist oder einfach wo es gut tut. Anschließend wird der Eingang mit mehreren Decken geschlossen, damit so wenig Luft wie möglich nach draußen entweicht. Uns haben insgesamt zwei Mexikaner bei dem Tematzcal begleitet. Eine Frau und ein Mann. Die Frau hat dabei wunderschön gesungen. Teils auf Spanisch, teils auf einer indigenen Sprache, die ich nicht verstanden habe. Am besten gefallen hat mir das erste Lied. Es handelte vom Mond, der Sonne und den Sternen, davon, wie alles begonnen hat. Dann fängt man an zu schwitzen. Das Tematzcal verläuft ab diesem Punkt in verschiedenen Phasen. Immer wieder werden die Decken beiseite geschoben um neue Steine in die Mitte zu legen. Die Kräuter werden ausgetauscht und zwischendurch werden wir mit einem Strauß Kräuter bespritzt. Was ich in sehr positiver Erinnerung habe ist der Geruch der heißen Steine in Kombination mit den frischen Kräutern (was genau für Kräuter das waren erinnere ich leider nicht mehr). Als Höhepunkt wird wahrscheinlich das Reden über die Gefühle angesehen. Jeder reihum erzählt, wie er sich fühlt, von seinen Ängsten, Erwartungen oder Emotionen. Dies kann für viele sehr anstrengend und schwierig werden. Ein Tematzcal ist sehr emotional. Es ist dazu da, dich mit dir selber zu beschäftigen und mit dem, was tief in dir drinnen vorgeht. Einige weinen, andere lachen. Ich fand es anstrengend, die Hitze hat mich auf eine Art und Weise gelähmt, dass ich einfach nicht sprechen wollte. Nicht nur weil es körperlich anstrengend war, sondern auch, weil ich nicht das Bedürfnis hatte mich auszutauschen, ich wollte wirklich für mich sein.

Auf diese Sprecheinheit, wo jeder einmal zu Wort kommen musste, folgte eine Einheit, in der wir alle zuerst mit heißem, dann mit kaltem Wasser abgespritzt wurden. Das war mein Lieblingspart. Der war erfrischend. Anschließend ging es weiter. Mit den Schwitzen, weitere Lieder, Kräuter und Steine.

Nach ca. 3 Stunden waren wir fertig. Es gab keinen richtigen Abschluss, es wurde wiedermal gesungen und wir mussten alle sagen, wie es uns gefallen hat, was wir mitnehmen und ob was wir von dieser Erfahrung halten. Ein weiterer Part, den ich gut erinnere ist das Austreten. Dies erfolgte nach einem ganz bestimmten Schema. Sobald die erste draußen war musste sie sich in eine Reihe stellen. Der darauf Folgende musste sie umarmen und sich hinter sie in die Reihe stellen und so weiter und so fort. Dann war das Tematzcal zu Ende und wir waren alle „neu geboren“.

Warum ich nicht „neu geboren“ war? Als erstes muss ich dem Tematzcal zu gute schreiben, dass ich mich danach auf irgendeine Art und Weise frisch gefühlt habe und am nächsten Tag eine superweiche und reine Haut hatte. Ansonsten habe ich diese drei Stunden eher anstrengend in Erinnerung. Eng an eng in Unterwäsche auf einem Steinboden in einem stockfinsteren Raum zu sitzen und wie ein Schwein zu schwitzen ist nicht jedermanns Sache. Es hat mich gestört, dass immer wieder die Tür aufgemacht wurde. Dadurch wurde man irgendwie rausgeholt. Das Reden war unangenehm und ich konnte mich nicht auf mich selber konzentrieren.

Es ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, genauso wie das Pulque, aber es war auf jeden Fall eine Erfahrung wert.

SCHULAUSFLUG Ü18

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Ich kam mir vor wie auf einem Schulausflug, als wir am Mittwoch vor vier Wochen mit gepackten Rucksäcken und präparierten Lunchboxen in unseren Bus einstiegen. Ein Gefühl, was ich eigentlich nicht vermisst habe. Dieses ständige „Zweierreihen-gelaufe“ und „Bitte haltet euch an den Händen“ oder „Lasst uns noch mal kurz durchzählen“ ist mir nämlich immer ziemlich auf den Keks gegangen. Aber dieses Mal war es entspannter. Wird durften uns unsere Sitzplätze selber aussuchen und sogar Musik auf unseren Handys hören.

Ziel war das „pueblo mágico“ Tepotzotlán. „Pueblos mágicos“ sind von der Regierung ausgeschriebene Dörfer, die für den Tourismus gut geeignet sind und spezielle Sehenswürdigkeiten haben. In diesem Fall eine Kirche und ein Museum. Die Kirche war schön, von außen. Reingegangen sind wir leider nicht. Das Museum haben wir uns dann schon noch mal von innen angeschaut (klassischer Schulausflug). Sogar eine Führung wurde uns spendiert. Diese fand ich sogar ganz spannend und aufschlussreich. Wir wurden darüber aufgeklärt, dass es sich bei dem Gebäude um eine Schule aus der Kolonialzeit Mexikos handelte. Wen ich mich richtig erinnere wurde sie von den damals aus Spanien kommenden Mönchen des Augustinerorden gegründet. Sobald die Schüler das Tor dieser Schule einmal passiert hatten verließen sie es bis zu ihrem Abschluss, 20 Jahre später, nicht mehr.

Für mich unvorstellbar, bin ja froh, dass ich meine 12 Jahre Schule hinter mir habe. Nach der Führung und Kurzreferaten im ehemaligen Schulgarten ging es weiter. An diesem Punkt muss ich das „Ü18“ einbringen. Es ging nämlich zu einer Pulque Farm. „Pulque“ ist ein alkoholisches Getränk, das ähnlich wie Tequila und Mezcal aus Agaven gewonnen wird. Jedoch aus der „Maguey“ eine andere Art der Agave. Der pure Saft der Maguey, den wir auch frisch aus der Pflanze heraus probieren durften, schmeckt sehr süßlich und wird auch „Honigwasser“ genannt. Aber zurück zum Pulque. Wie genau die Fermentierung abläuft kann ich leider nicht berichten. Dieser Prozess scheint sehr langwierig zu sein und so wurde uns das Getränk schon fertig serviert. Purer Pulque ist weiß und hat ein bisschen die Konsistenz von Milch. Etwas dickflüssiger, schaumiger und klebriger. Mir hat es nicht geschmeckt. Weder mit noch ohne Früchte, aber das ist ja auch Geschmacksache. Ich fand es jedoch interessant die weitere Verarbeitung dieses Getränkes mit anzusehen. Traditionell trinkt man Pulque zusätzlich mit Früchten oder Nüssen. Sprich man hat einen Mixer voll mit Pulque, fügt die Früchte oder Zutaten hinzu, die man hinzufügen möchte, süßt zusätzlich mit Honig ab und mixt das ganze. Anschließend muss die fertige Pulque noch einmal eine halbe Stunde bis Stunde ziehen und fertig! In der Zwischenzeit waren wir auf dem Feld zwischen den Magueyes. Haben pures Wasser aus der Pflanze getrunken und uns wie echte Mexikaner gefühlt.

Am Ende des Tages waren wir jedoch alle ganz fertig und sind wie früher auf der Rückfahrt im Bus auf unseren Sitzen eingeschlafen.

DÍA DE LA REVOLUCIÓN & LAS MANZANAS

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Wir kamen am Montag den 20. November in Las Manzanas an. Wir, das waren alle Freiwilligen, die ihren Arbeitsplatz in Mexiko haben. Las Manzanas ist ein kleines Dörfchen nordöstlich von Mexiko-Stadt. Um ehrlich zu sein habe ich mich direkt in diesen Ort verliebt. Ein bisschen habe ich ja schon von ihm berichtet, aber die Atmosphäre war einfach von Beginn an magisch. Genau das, was wir alle nach zwei Monaten voller Arbeit und neuer Eindrücke gebraucht haben. Nicht, dass es dort an neuen Eindrücken gefehlt hätte, aber Las Manzanas und unsere Unterkunft hatten eine sehr ruhige Auswirkung auf uns alle.

Das Grundstück wurde vor vielen Jahren von einer deutschen Frau gekauft und für Kinder- und Jugendreisen eingerichtet. Es war ein Klettergarten, eine riesen Rutsche und ein Spielplatz vorzufinden. Vor einigen Jahren dann hat Apulinar, unser Gastgeber, die Leitung übernommen und hat uns zusammen mit seiner Familie für eine Woche sehr herzlich aufgenommen und verpflegt.

Da es der 20. November war, der Día de la revolucción, wurden wir auch direkt am Abend von der Familie mit einer kleinen Feier überrascht.

So ganz genau weiß glaube ich niemand was am besagten 20. November 1910 passiert ist, aber das was ich herausgefunden habe, ist, dass dies das offizielle Startdatum der mexikanischen Revolution ist. Im Jahr 1910 war der langjährige Präsident Porfirio Díaz an der Macht. Seine Herrschaft wird oft auch mit einer Diktatur verglichen. Oppositionelle Gruppen versuchten Díaz 1910 zu stürzen. Ein Jahr darauf floh dieser dann nach Paris ins Exil. Dies war der Beginn einer unruhigen Zeit in Mexiko deren Ende nicht hundertprozentig festzulegen ist (ich meine noch heute ist Mexiko ein sehr unruhiges Land). Die Revolution umfasste viele blutige und gewaltvolle Kämpfe, deren Opferzahl bis heute noch unbekannt ist. Bis 1920 hatte sich der Staatsapparat grundlegend verändert und eine neue Führungsschicht gebildet. Die von den oppositionellen Gruppen angestoßenen sozialen Reformen fanden erst, nach vielen weiteren blutigen Kämpfen, in den 1930ern statt.

Unsere Feier an diesem Abend bestand aus typisch mexikanischem Essen (wie eigentlich an jedem Tag), heißt: Tacos, Tamales, Cafe de Olla, Elote und frittierten Bananen. Dazu gab es mexikanische Spiele, wie z.B. eine Art Bingo nur mit Bildern und dass man alle Felder abgedeckt haben muss um zu gewinnen (auch gut zum Vokabel lernen geeignet) oder Kartenspielen (ähnlich wie Skat, bloß mit anderem Namen).

Fast alle unsere Abende in Las Manzanas waren sehr gesellig und immer mit gutem Essen ausgestattet. Ich glaube ich kann sagen, dass jedem von uns diese Woche „auf dem Land“ auf gewisse Art und Weise gut getan hat. Bei den einen war es die frische Luft, anderen das Essen und wiederum anderen mit echten Freunden zusammen zu sein.

Ich wünschte jeder hätte einen Ort wie „Las Manzanas“ an den er regelmäßig zurückkehren kann.